Exit Music
Young People – All At Once

Young People – All At Once

5.0

Genre: , , ,
Label: Too Pure

Erstellt am: 12.05.2006
Autor:
Erstellt am: 12.05.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Teen Age Riot

Zwei Songschreibende mit unterschiedlichen musikalischen Backgrounds spielen in einer Band. Was dabei herauskommt, eine potenzielle Schublade und knapp 28-minütiges Kopfkratzen/Kopfschütteln.

Die Jugend ist schlecht. Das war sie schon, als sie es noch nicht war. Bekannt ist sie für die Demontage von Selecta-Automaten oder das Bewässern von Bahnhofplätzen. Ein Glück, dass diese jungen Menschen hier mit gutem Beispiel vorangehen und ein bisschen Musik machen. Die in höchsten Tönen gelobten Vorgänger-Alben lassen jedenfalls auf die Folter spannen. Jugend wird aber oft auch mit Leidenschaft assoziiert. Gerade hier scheint es diesem Album an einigen Ecken und Enden zu fehlen. Und wenn man bedenkt, dass es auf „All At Once“ eigentlich nur Ecken und Kanten gibt, tja, dann muss sich bis zu einem gewissen Grade Ernüchterung breit machen.
Die trippelnden, wabernden Beats bei „Forget“ und „Dark Rainbow“ lassen Vergleiche mit den Kills wach werden. Diesen Vergleich sollte man aber nicht auf die Spitze treiben. Die Straightness der Kills ebnet ihnen den Weg in die Kommerzliga, während es die Young People eigentlich genau in die entgegengesetzte Richtung verschlägt. Wenn das hier kommerzielle Musik ist, dann fresse ich einen Besen. Falls sie es doch sein soll, sind die Planer ganz schön doof. Wer bitte soll so was hören? Struktur ist den Young People fremd, es bleibt meist bei verschwommenen, vertrackten und losen Song-Ansätzen aus verschrobenen Gitarren-Soli-Einschüben, Piano-Klimbim und der bisweilen gleichgültigen Stimme von Sängerin Katie. Die Einführung übernimmt „R And R“. Das könnte für „Rock und Roll“ stehen, aber auch für Rat- und Reizlosigkeit – meint die böse Hälfte. Eine gefällige Pianomelodie dreht ihre Runden. Wir stellen fest: Die gefällige Pianomelodie bleibt auch in der Endlosschleife eine gefällige Pianolinie. In „F“ gibt’s Handclaps und eine monotone, stakkatoartige Eishockey-Stadion-Orgel zu hören. Ich weiss nicht so recht. Ignoranten könnten dabei aber die vereinzelten, offensichtlich kunstvollen, Passagen übersehen. „Slow Moving Storm“, das aus drei rhythmisch unterschiedlichen Teilen besteht, ist ein wirkliches Highlight.

Um eine weitere Referenz an den Haaren herbeizuführen. Die Liars bearbeiten eigentlich gar nicht so andere Baustellen als die Young People. Während Erstere aber eine Faszination der Dekonstruktion kreieren, bleibt es bei den Young People manchmal bei der Anziehungskraft einer Baugrube. Düster vielleicht, aber nicht wirklich spannend. Das ist das Problem. Schräger Indierock lebt von verstörenden Atmosphären. „All At Once“ ist ohne Zweifel originell, aber die Stimmung ist nicht wirklich einnehmend. Während die Musik der Liars durch Mark und Bein geht, fühlt sie einem hier zu oft nur aufs Zahnfleisch. Unangenehm.

Die Young People spielen nach Medienberichten häufig an Jazz-Festivals. Was bedeutet das für uns Hörer? Für den Konsumenten von handelsüblicher Popmusik mag Jazz vielleicht anstrengend sein, aber eher nicht anstrengend und langweilig. Gerade diese Verbindung scheint leider eine Qualität dieser Band zu sein. Schade. Die zusätzlichen Sterne ergeben sich aus
1.der Eigenständigkeit, der Originalität und der Experimentierfreude,
2.dem Respekt vor dem Alter,
3.der intellektuellen Unfähigkeit des Schreibenden, diese Scheibe zu verstehen
4.und dem Willen, diejenigen Stimmen zu beschwichtigen, welche beim Hören dieser Platte „Kunst!“ schreien werden. Solche wird es geben, ganz bestimmt.

Seit dem 21. April im Handel.

Anspieltipps: Slow Moving Storm
Trackliste: 1) R And R; 2) Forget; 3) Dark Rainbow; 4) Your Grave; 5)Slow Moving Storm; 6) Reapers; 7) On The Farm; 8) F; 9) The Clock; 10) Heads Will Roll; 11) Ride On
similar artists: Sonic Youth, The Kills, PJ Harvey, Fiery Furnaces, Liars, Velvet Underground
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Band wird gegründet, als Katie und Gründer Jeff Rosenberg nach Los Angeles ziehen. Später kommt Schlagzeuger Jarrett Silberman hinzu. Die songschreibenden Young People sind Katie und Jeff Rosenberg. Ihre musikalischen Hintergründe könnten unterschiedlicher kaum sein. Katie lässt traditionelle amerikanische Einflüsse wie Country, Gospel, Blues, aber auch theatralische Elemente wie Musical in die Klänge der Band einfliessen. Jeff Rosenberg im Gegenzug hat seinen ursprünglichen musikalischen Hintergrund im Punkrock und Noise. Zur Zeit der Gründung der Young People hört er allerdings viel Jazz. Die höchst differenzierten Einflüsse schlagen sich im Sound der Band nieder, der sehr experimentell ist. So kommt es, dass die entsprechenden Band-Vergleiche äusserst unterschiedlich sind. Die US-Presse vergleicht sie mit Kappellen wie Cat Power, Sonic Youth oder Velvet Underground. Bands wie The Kills oder Liars laden sie auf ihre Tourneen ein. Das erste Langspiel-Release ist selbstbetitelt und erscheint Anno 2002, der Nachfolger „War Prayers“ findet ein Jahr später den Weg über die Ladentische. „All At Once“ erscheint auf Too Pure, einem Label mit Künstlern wie McLusky oder Electrelane.

youngpeople
Diskographie:
> Young People (2002)
> War Prayers (2003)
> All At Once (2006)