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Wintersleep – New Inheritors
Wintersleep – New Inheritors

Wintersleep – New Inheritors

7.0

Genre: , ,
Label: One Four Seven

Erstellt am: 18.05.2010
Autor:
Erstellt am: 18.05.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Kriechöl

„Drunk on Aluminium“ begann, was zu „Welcome to the Night Sky“ wuchs. Wintersleep schnappten allen anderen die Aufmerksamkeit mit einem simplen, aber unerreichten Gitarrenriff weg. „New Inheritors“ dagegen beginnt mit Streichern.

Um es gleich vorwegzunehmen: Wintersleep scheitern mit „New Inheritors“ nicht. Aber es besteht Erklärungsbedarf – und der war auf dem Vorgänger nun wirklich gänzlich unnötig. „Welcome to the Night Sky“ schlug Haken und blieb trotzdem in der Spur. Das neue Werk wartet bis zum Ende des dritten Songs, um die neue Spur überhaupt zu finden. Dann aber ist man drin. Durchatmen. Wohin der Weg führt? Der Titeltrack und „Black Camera“ geben schüchtern Antworten, weil sie ein Gefühl der Vertrautheit schaffen. Gerne würde man diese neue Platte mit dem einen Adjektiv beschreiben: sperrig. Irgendwie passt das aber nicht. Wintersleep liefern nämlich Eckpunkte, um ihre innere Landkarte erschliessen zu können. Und es sind mehr als deren zwei. Nur sind es eben nicht zwingend Hits, an denen man alles festmachen kann. Und doch: „Echolocation“ platzt fast vor Melodien, streckt die Arme aus und zieht rhythmisch am Herz. Hier beweisen die Kanadier, wie Richtigmachen auch anders geht. Es braucht darüber hinaus schon ein bisschen Zeit, um sich mit „New Inheritors“ anzufreunden. Traut man aber seinem und dem Bauchgefühl von Paul Murphy, werden sich auch hier wieder Dinge zeigen, wo anfänglich nur wenig durchsickert. Weil es ein musikalisch öffnendes Album ist. Man muss sich halt erst einmal kennenlernen.

Und gerade als man Wintersleep vorwerfen will, noch näher an R.E.M. und Interpol gerückt zu sein, drehen sie den Spiess bei „Mausoleum“ um. Einem epischen Meisterstück, dass immer wieder neuen Anlauf nimmt, um sich selber ein Denkmal zu errichten. Wie man ein Album zu Ende bringt, haben sie unterdessen auch nicht verlernt: Neben dem Titeltrack ist „Baltic“ ein weiterer und letzter, sich aufbäumender Höhepunkt. Es ist kein Schlussstrich, denn einen solchen braucht dieses Album nicht. Stellenweise bleibt aber „New Inheritors“ auch mal blass („Terrible Man“), singt Paul Murphy etwas unmotiviert („Preservation“) und man kann sich nur wiederholen: Es muss nicht immer alles aufs Album. Wie auf dem Vorgänger. Da waren es aber selbst die B-Seiten wert, dass man sie sich nachträglich noch zusammensuchte. „New Inheritors“ versucht sich eher selber zu sammeln und darf dank dem feinen Gespür seiner Schöpfer wachsen. Das hier läuft nicht wie geschmiert – Angst vor Flugrost  muss man aber trotzdem keine haben.

Seit  14. Mai 2010 im Handel.