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William Elliott Whitmore – Animals In The Dark
William Elliott Whitmore – Animals In The Dark

William Elliott Whitmore – Animals In The Dark

8.0

Genre: , ,
Label: Anti

Erstellt am: 25.02.2009
Autor:
Erstellt am: 25.02.2009   Autor:

Neuerscheinungen

And the captain’s got to go

Im bärtigen, schwer tätowierten William Elliott Whitmore steckt ein rebellischer Prediger, der auf seinem neusten Album seinen Unmut über die Politik seines Landes kundtut. Andererseits hat er die Nase von vielem anderen voll, verliert jedoch die Hoffnung über eine Veränderung nicht aus den Augen.

Allem voran steht Whitmores kraftvolle, intensive Stimme, die in jedem Lied dominiert und sich über alle Instrumente hinwegsetzt. Kaum zu fassen, dass Whitmore erst dreissig Jahre auf dem Buckel hat, da er wie ein 70-jähriger Blues-Musiker aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts tönt. Dass dieser Mann am Ufer des Mississippi aufwuchs und „den Blues hat“, ist nicht zu überhören. Noch immer wohnt er dort, wo er geboren wurde: Auf einer Pferderanch irgendwo in Iowa.

Seine Musik ist sehr traditionell, eine Mischung aus Blues, Folk, Country, Bluegrass und Gospel – Roots-Musik wenn man so will. Im Gegensatz zu seinen früheren Werken, kommt „Animals in the Dark“ etwas geschliffener, jedoch nicht weniger emotional oder ungekünstelt daher. Whitmore setzt diesmal auf Arrangements mit Streichern, Akkordeon und gar einer Orgel. Leider lässt er das für ihn typische Banjo beinahe gänzlich weg.

Marschtrommeln und Whitmore’s erdig-grummelnde Stimme bilden den Auftakt. „Mutiny“ erinnert an einen Field Holler alsbald ein Chor einsetzt. Einzig von Trommeln begleitet singt Whitmore „Well it’s a goddamn shame what’s going down / How we got to this I do not know / There’s a sick sick wind that’s blowin’ ‚round / And the captain’s got to go“ – auf wen er mit “captain” anspielt, dürfte jedem klar sein.  Wie “Mutiny” ist auch “Old Devils” ein Lied gegen die Fehltritte der Bush-Regierung. Auch am Bartresen unter Alkoholeinfluss ändert sich die Sichtweise nicht, heisst es darin. Da Whitmore auf Namen verzichtet, könnten seine Songs sogar für alte, längst vergangene Zeiten gelten.

Mit “Who Stole The Soul” zeigt er uns seine ruhige Seite, das Lied ist ein verzweifelter Schrei nach Hoffnung und Veränderung, prachtvoll untermalt ein Cello die scheinbar auswegslose Situation, während Whitmores Stimme tief in unser Herz eindringt. Nach dieser kurzen Ballade folgt ein simples Lied mit Gitarre und Fussgestampfe in Hillbilly-Manier über das verhaftet werden – „Johnny Law“ ist ein anderes Wort für Polizist. Sehr schön kommen in der Country-Ballade „There’s Hope for You“ Gospel-Einflüsse zum Vorschein.

Als eigentliches Highlight darf man „Lifetime Underground“ bezeichnen, wo der Gute endlich wieder das Banjo zur Hand nimmt und allmählich ein optimistisches Akkordeon einsetzt.

Das besondere an Whitmore ist, dass er uns glauben macht, er spiele ausschliesslich für unsereins, irgendwo in einer Bar, spärlich von einem Spot beleuchtet. Er mag ausserdem kein hervorragender Banjo- oder Gitarrenspieler sein und doch scheint es passend, dass nicht alles frei von Makel daherkommt, denn genau dies sorgt für Authentizität und Nähe zum Zuhörer.

Man kann sich mühelos vorstellen, wie Whitmore lächelnd in den Himmel blickt, ein Glas Whiskey in der Hand hält, an der Zigarette im leicht nach oben gezogenen Mundwinkel zieht, während er vom perfekten Tag zum Sterben singt. „A Good Day To Die“ bildet somit den perfekten Abschluss für sein fünftes Album.

Man kann nur hoffen, dass viele Leute durch das neue Album auf den 30-jährigen Südstaatler aufmerksam werden, denn dieser Mann hat es verdient.

Seit 17. Februar 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Mutiny
> Who Stole The Soul
> There’s Hope For You
> Lifetime Underground

Diskographie:
> The Jarret Mitchell demo album (1999)
> Hymns for the Hopeless (2003)
> Ashes to Dust (2005)
> Song of the Blackbird (2006)
> Animals in the Dark (2009)

Ähnliche Künstler:
> Tom Waits
> Leadbelly
> Seasick Steve
> Solomon Burke