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Wild Beasts – Two Dancers
Wild Beasts – Two Dancers

Wild Beasts – Two Dancers

8.5

Genre:
Label: Domino

Erstellt am: 23.09.2009
Autor:
Erstellt am: 23.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Auf zum Tanz!

Vor genau einem Jahr wurde an dieser Stelle das Debutalbum der Wild Beasts „Limbo, Panto“ angepriesen. Die Wartezeit für den Zweitling „Two Dancers“ war also kurz und die anfängliche Begeisterung hat sich gar gesteigert.

Ich habe in der Rezension zum Debut „Limbo, Panto’“ irgendetwas von ’überbordender Spielfreude, rhythmischen Kapriolen, durchdachtem Geflirre und Gezappel der Instrumente sowie stilistischer Vielseitigkeit’ referiert. Innerhalb eines Jahres haben sich die Wild Beasts aus Kendall ein bisschen beruhigt. Dies in musikalischer wie auch gesanglicher Hinsicht. Die schräge (oder queere) Eigenart, die glamouröse Inszenierung des gesanglichen Kitschs und der ausgeprägte Sinn für grosse Melodien wurden glücklicherweise erhalten. Hayden Thorpe heult noch immer mit seinem unverwechselbaren Stimmorgan in ungewohnten Höhen, wobei musikalisch, vor allem in Bezug auf die Rhythmik, ein Schritt in Richtung 80er Jahre gemacht wurde. Im Vergleich zum Vorgänger erscheint „Two Dancers“ jedoch deutlich weniger hysterisch, hibbelig und nervös. Dafür wurde der elektronischen Ausarbeitung sowie der Atmosphäre und Stimmung mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Desweiteren übernimmt Bassist Tom Fleming mit seiner im Vergleich zu Thorpe ruhigen, kontrollierten und raumfordernden Bassstimme (die mich leicht an Anthony Hegarty erinnert) deutlich mehr Gesangsparts, was den ersten Eindruck von allgemeiner Beruhigung oder Besänftigung unterstreicht.

Im Duett „All the King’s Men“, meinem persönlichen Highlight des Albums, kräht oder quietscht Thorpe in wunderbar penetrantem Falsetto die Worte ’ouuuu watch me, watch me’, und liefert schleier- oder geisterhafte Backvocals, während Fleming die relativ ruhigen, gefassten Gesangsparts übernimmt. Durch den gesamten Song schnurrt ein rhythmisches, sich sympathisch zurückhaltendes Männerchörchen im Hintergrund eine freundliche ’oooohooooh’-Melodie, die entfernt an munter zur Arbeit schreitende Zwerge oder Minenarbeiter erinnert. Dazu poltert ein holpriger Takt während die Gitarre vor sich hinsäuselt. Das ganze Album wirkt organisierter, harmonischer, beruhigter und entsprechend erwachsener. Vermehrt tauchen Balladen wie das abgehobene „When I’m sleepy“, das zweitgeteilte „Two Dancers (i) & (ii)“, das reduzierte, bassige „This Is Our Lot“ oder das ungeheuer friedliche „Empty Nest“ auf. Die Gitarre schwirrt jeweils, zusammen mit sanften, langgezogenen elektronischen Geräuschen oder dezenten Backvocals irgendwo im Kosmos, während ein breiter Bassteppich Wärme und Geborgenheit verbreitet. Trotzdem verbreitet sich in keinem Moment Langeweile, die Vielfalt an Klängen, Melodien und Ideen ist noch immer überwältigend, auch nach dem zehnten Durchhören entdeckt man feine Details, saubere rhythmische Spielereien sowie wunderbare gesangliche Finessen.

Die Wild Beasts, man liebt oder hasst sie, ein ’nicht schlecht, aber nicht gerade mein Ding’ gibt’s hier nicht. In meinen Ohren hat das Album grosse Chancen, bei der alljährlichen Bestenliste ganz oben aufzutauchen.

Seit 4. September 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Hooting & Howling
> All the King’s Men
> We Still Got the Taste Dancin’ on Our Tongues

Diskographie:
> Limbo, Panto (2008)
> Two Dancers (2009)

Ähnliche Künstler:
> Clap Your Hand Say Yeah