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Wax Tailor – Hope & Sorrow
Wax Tailor – Hope & Sorrow

Wax Tailor – Hope & Sorrow

8.0

Genre:
Label: Mole Listening Pearls

Erstellt am: 12.07.2007
Autor:
Erstellt am: 12.07.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Nachschub für Bedürftige

Die Sample-Schatztruhe nach besonders Wertvollem durchsucht und dabei Erfolg gehabt: Wax Tailors zweites Album begeistert stellenweise.

Wer Trip Hop, Turntablism und komplex aufgebaute Hip Hop-Klänge mag, hat es in letzter Zeit nicht immer ganz einfach. Die Verabschiedung von Künstlern wie Tricky und RJD2 hin in Richtung mediokrer Popmusik sorgt für Unmut. Ähnlich unerfreulich ist auch, dass eine Legende wie DJ Shadow neuerdings Proll-Hip Hop für schick hält, manche Übergrössen viel zu lange ruhig bleiben und Newcomern selten der Schritt aus dem Underground heraus gelingt. Vollbracht hat letzteres aber der französische DJ und Producer JC Le Saoût, der 2005 erstmals mit seinem Debüt “Tales Of The Forgotten Melodies“ auf sich aufmerksam machte. Das vor kurzem erschienene “Hope & Sorrow“ ist prinzipiell eine Weiterentwicklung seines ersten Albums, welches in Frankreich und den Vereinigten Staaten beachtliche Erfolge einfahren durfte, im deutschsprachigem Raum aber weitgehend unbeachtet blieb.

Schon auf dem Debüt fielen die zahlreichen Gaststimmen positiv auf, bei “Hope & Sorrow“ sind es nun auch wirkliche Grössen, die sich in etwa die Hälfte der Beatkonstrukte des Franzosen einbringen. Sharon Jones’ Stimme (geliebt dank ihrer fantastischen Dap-Kings-Kombo) scheint zwar stellenweise nicht ganz ideal in dem überladenen “The Way We Lived“ eingebettet zu sein, verleiht dem Track aber trotzdem viel Wärme. Alle vorstellbaren Wünsche hingegen erfüllt das lässige “We Be“, bei dem Spoken-Words-Heroïne Ursula Rucker mitwirkte.

Ein anderes, auch schon auf dem Debüt präsentes Merkmal ist Wax Tailors Liebe zu älterer Filmmusik, die sich in seiner Musik deutlich widerspiegelt. Durch starken, aber wohlbedachten Gebrauch von oft orchestralen Samples erzeugt Wax Tailor eine dichte Atmosphäre, die einen grossen Reiz von “Hope & Sorrow“ ausmacht. So führt die kalifornische Rapperin Voice im grossartigen “The Games We Play“ den Zuhörer tief in eine ganz eigene, durchdacht gestaltete Welt. Mild, aber düster klingt der grösste Teil, Wax Tailor spielt augenfällig mit Stimmungen des Film Noir oder des europäischen Autorenkinos der 60er (klar vernehmlich im triphoppigen “To Dry Up“).

Etwas schwungvoller sind die klassischen Hip Hop-Tracks ausgefallen. Die dicken Bläser-Samples in den Groove-Hämmern “House of Wax“ oder “Positively Inclined“ scheinen direkt alten Spy-Flicks entnommen worden zu sein und erinnern schwer an die letzten Erzeugnisse von The Herbaliser.

Wax Tailor steigert sich mit “Hope & Sorrow“ noch ein Stückchen weiter. Ein Hit wie “Que Sera“ fehlt zwar, aber das Album ist trotzdem Pflicht für all die Köpfe, die sowohl Portishead, The Herbaliser als auch den frühen DJ Shadow mögen.

Seit 3. April 2007 im Handel.