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Warpaint – Warpaint
Warpaint – Warpaint

Warpaint – Warpaint

8.0

Genre: ,
Label: Rough Trade

Erstellt am: 04.02.2014
Autor:
Erstellt am: 04.02.2014   Autor:

Rezensionen

In sich ruhend

Warpaint tauchen ihr zweites Album tief in Klänge, die einem das Gefühl geben, als wären sie ganz weit weg. Und so sucht man ständig deren Nähe.

Dieses Album klingt unfassbar gut. Mit dem ersten Ton, dem ersten Einsatz des Schlagzeugs. Das Intro fesselt, weil es viel verspricht – der Rest löst ein. „Warpaint“ haben schon mit dem Debüt „The Fool“ begeistert, aber so ganz durch die Decke ging es nicht. „Warpaint“ gehört schon nur deshalb das erste Lob des Jahres, weil es dies nicht zu verändern versucht. Und trotzdem ist es brillant arrangiert. So gleicht sich denn auch nichts auf diesem Album, mal abgesehen vom Sound, der alle Songs durchflutet und ihnen Charakter gibt. Kein Wunder also heisst der Produzent Flood und die schüchternen Gedanken an Radiohead lassen sich vielleicht mit Nigel Godrich erklären, der ebenso seine Finger im Spiel hatte. Gleichzeitig sollte auch das grossartige Albumcover nicht unerwähnt bleiben. So leichtfüssig diese Musik daherkommen mag: Einfach gestrickt ist sie nicht. Neben dem prägenden Element in Person von Schlagzeugerin Stella Mozgawa, die enorm Groove entwickelt, lassen sich die vier Frauen viel Spielraum. Der herausragende Schwenker gelingt ihnen dabei in „Love Is to Die“, dessen Tonartwechsel erst verstört und mit Dauer immer mehr verzaubert.

Die anderen sachten Schwenker bemerkt man daneben kaum. „Biggy“ baut sich verträumt sein Luftschloss und „Teese“ zieht darin ein. „Disco//Very“ ist die tanzende Göre, „CC“ fühlt sich nicht ganz wohl. Dazwischen glänzt „Feeling Alright“ als das wohl zugänglichste Stück und auch das steht diesem Album ausgezeichnet. Ein einziger Basslauf reicht „Go In“, um das zu erreichen, woran viele Songs verzweifelt scheitern: Ein unwillkürliches Mitwippen. Die Vielfältigkeit in den leisen Tönen suchend, findet „Warpaint“ zum Schluss die endgültige Ruhe in sich und dem schönsten Song „Drive“. Man könnte dem Album auch Unrecht tun, indem man es auf sein vernebeltes Flair reduziert und damit Assoziationen hervorruft, die kaum bis gar nie zutreffen. Vielmehr fliesst es durch einen durch wie wärmende Sonnenstrahlen an einem kühlen Ort. Ein Gefühl, dass man an einem Tag vielleicht nur einmal hat. Und dieses vermag „Warpaint“ zu vermitteln.

Seit 17. Januar 2014 im Handel.

Anspieltipps:
> Love Is to Die
> Drive
> Feeling Alright

Diskographie:
> The Fool (2010)
> Warpaint (2014)

Ähnliche Künstler:
> PJ Harvey
> Radiohead