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Villagers – Darling Arithmetic
Villagers – Darling Arithmetic

Villagers – Darling Arithmetic

5.0

Genre:
Label: Domino Records

Erstellt am: 19.04.2015
Autor:
Erstellt am: 19.04.2015   Autor:

Rezensionen

Die Basis von allem

Die Villagers entsprechen auf „Darling Arithmetic“ einem Mann, der im gedämpften Licht mit seiner Gitarre alleine auf einem Sofa sitzt. Für wen er wohl singen mag?

Ist die Liebe wirklich die Basis von allem? Nicht jede zwischenmenschliche Beziehung beruht auf Liebe. Und wir mögen in einer noch so aufgeklärten Welt leben: Die Liebe reicht oft nicht aus, um verstanden zu werden. Homophobe oder religiös gefärbte Familienbegriffe lassen grüssen. Fundamental sind manchmal eben doch eher die Ansichten mancher Menschen. Gleichzeitig wissen wir alle über die vielzitierte Scheidungsquote Bescheid. Und viele von uns wissen, dass nicht jeder sich selber mag. Liebe ist nicht fassbar und wohl auch deswegen existieren unzählbar viele Songs darüber. Ein Album der Villagers mit diesem thematischen Überbau hätte grandios werden können, denn Conor O’Brien hat zweimal bewiesen, was für ein grossartiger Songwriter er ist.

Es ist entsprechend schade, dass er sich gerade auf diesem sehr stillen, zurückhaltenden und persönlichen Album verspielt. Plötzlich klingen einige seiner Songs weinerlich. Es gibt sogar zum Schluss hin einen Moment („So Naïve“), wo der Gesang von O’Brien leicht zu nerven beginnt. Warum nur sind die Villagers plötzlich so langweilig, wo sie doch gerade auf „Awayland“ dermassen spannend waren? Zumal es auch auf diesem Album die guten Momente gibt, die diese Frage nur noch unterstreichen: „Courage“ ist ein ordentlicher Opener, „Dawning On Me“ eine wunderschöne Singer/Songwriter-Nummer und „The Soul Serene“ überzeugt in jeder Hinsicht. Es ist wohl kein Zufall, weil gerade dieser Song am aufwändigsten arrangiert ist.

Textlich ist das sehr gelungen, da der Ire nie pathetisch oder kitschig wird. Seine Zeilen sind klug gewählt. Wenn die Musik dazu aber gleichwohl selten einen zündenden Funken in sich trägt, dann springt auch keiner über. Kein Leuchten, kein Funkeln und nein, irgendwie fehlt die letzte Überzeugung. Seltsam blass ist „Darling Arithmetic“, dabei ist es trotz der Thematik überhaupt nicht redundant, berechnend oder einfältig. Es scheint aber, als würden die Villagers in einer solchen Reduktion schlicht nicht aufblühen. Trost findet man als Anhänger dieser Band darin, dass O’Brien nicht still stehen will. Ob er damit wieder zu alter Form finden wird, kann man damit zwar nicht voraussehen: Aber ein Talent, wie er es hat, verschwindet nicht einfach so. Einige Songs auf „Darling Arithmetic“ lassen uns diese Hoffnung auf eine nächste, wieder ganz anders einnehmende Platte der Villagers.

Ab 10.04.2015 im Handel erhältlich.