Exit Music
Villagers – Becoming a Jackal
Villagers – Becoming a Jackal

Villagers – Becoming a Jackal

8.5

Genre: ,
Label: Domino (Musikvertrieb)

Erstellt am: 27.05.2010
Autor:
Erstellt am: 27.05.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Verwandlungskünstler

Die Band Villagers aus Dublin liefert ein erstaunlich vielseitiges, motivierendes und rastloses Debütalbum ab, das mit bekanntem, aber feinfühligem Pop und erdigem Folk glänzt.

Conor J. O’Brien hat eine wunderschön ergreifende Melodie in seiner Stimme, die mit einer Spur mehr Weinerlichkeit vor allem seinem vom Weg abgekommenen Namensvetter Conor Oberst (auch äusserlich gleichen sich die beiden…) und ohne die kunstvollen Schweife auch Phil Moore von den Bowerbirds ähneln würde. In den ruhigen, gesprochenen Passagen („Home“) kommt als erstes James Yorkston in den Sinn, auch ein selbstbewusster Elliott Smith („Twenty-Seven Strangers“) scheint von Zeit zu Zeit durch. Und die therianthropische Geschichte erinnert verdächtig an Patrick Wolfs Debüt…

Aber hallo!? Da wird als erstes gerade mal unbekümmrt verglichen und eingeordnet. Es ist zum Heulen! Zu meiner Entschuldigung ist es jedoch nicht ganz einfach, die bereits von vielen Künstlern gegangenen Wege des jungen Iren zu beschreiben, der bisher im Trio The Immediate musizierte und mit „Becoming a Jackal“ ein äusserst intensives und mutiges Konzeptalbum abliefert, das neben zahlreichen Hits keinen einzigen Ausfall zu bemängeln hat. Es ist das Spektakel im Unspektulären, was bei den Villagers auffällt und furchtbar neugierig macht. Sie wirken zwar ungezwungen, mutig und voller Tatendrang, machen aber nie den Eindruck, dass es ihnen an Reife mangeln würde.

Erstaunlicherweise ist der erste nüchterne und atmosphärische und einführende Song „I Saw the Dead“  für den Rest des Albums untypisch, auf dem es um einiges geladener und überaschender zu und hergeht. Der Titelsong ist ein kantiges Akkustikstück, das auch lyrisch die spannende Mischung zwischen Erotik, Gewalt, Angst und Träumerei findet, welches die zentralen Themen aus der Phantasie des Erwachsenwerden entspringen. Vor lauter Freude an den Melodien und Ideen geraten die Lyrics beinahe ins Nebensächliche. Die Songs, die oft von spannenden Pianopassagen oder ab zu mit rasanten Schlagzeug-Tempoverschärfungen oder orchestralen Übergängen begleitet werden, begeistern restlos. Gross geworden.

Seit  21. Mai 2010 im Handel.