Exit Music
Villagers – Awayland
Villagers – Awayland

Villagers – Awayland

8.0

Genre: ,
Label: Domino

Erstellt am: 14.01.2013
Autor:
Erstellt am: 14.01.2013   Autor:

Neuerscheinungen

No Overacting

Irlands momentan aufregendster Musikexport holt sich seine Merkmale für den Zweitling „Awayland“ ein bisschen überall, bleibt dabei schliesslich doch sich selber und übertreibt es nicht.

Schliesslich könnte man ihn nämlich auch mit Patrick Wolf in einem Atemzug nennen – tut man aber besser nicht. Während Wolf nämlich fürs Overacting Abzüge kriegt, bleibt O’Brien lieber introvertierter. Das hier ist seine „Digital Urn“ – und die Nähe zu Bright Eyes war auch im Debüt zu spüren. Aber wer sein Album mit einem Esel beendet, kann selber keiner sein und so enteilt der Ire am Ende doch allen Querverweisen und Fussnoten. Bereits im überragenden „Earthly Pleasure“ streicht er sie durch, überschreibt sie und drückt seine eigenen Stempel auf. Es mag nicht alles überraschend neu klingen auf „Awayland“, und das nicht auf die Villagers selbst bezogen, weil es klar anders ist als „Becoming a Jackal“. Beispielsweise beginnen „The Waves“ oder „Passing a Message“ wie von Thom Yorke gemacht. Aber im Rahmen seiner zweifelsohne grossen Möglichkeiten holt O’Brien dieses bisschen Mehr heraus, das anderen Zeitgenossen bereits in der Entstehung der Songs fehlt. Diese ist auf „Awayland“ anders als beim Debüt, denn sie basiert auf digitalen Ideen. Was man am Ende nicht immer hört. Und genau das macht „Awayland“ in seiner Gesamtheit so einnehmend: Es will gar nicht gross sein. So ist es auch in einer Ruhe produziert, die selbst die hektischen Momente entschärft.

Die Villagers fügen die neuen Elemente, die meistens elektronisch sind, sanft ein. Viele der Songs laufen auf ein kleines Finale zu, arbeiten regelrecht darauf hin. Sie geben sich damit die nötige Zeit. Manchmal ist es eine Art Mantra („The Waves“), das am Ende steht. Manchmal der effektive Höhepunkt („Nothing Arrived“) oder eine leise, elektronische Spielerei mit dem bereits besagten Esel („Rhythm Composer“). „Awayland“ verzichtet trotzdem auf eine übertriebene Dramaturgie. Trotz Streichern und einigen anderen Klischees. O’Brien ist damit ein zweites Album gelungen, dass sich gleichzeitig als zeitgemäss und zeitlos beschreiben lässt, was alleine sicher noch keine Sensation ist – auch wenn die hier geschlagenen Brücken schon beeindrucken. Es ist aus einem anderen Grund ein Highlight: Das Songwriting von O’Brien. Das Talent, die Arrangements und die Spannung in den Songs. Und sie sind einem nahe. Am nächsten in „Nothing Arrived“. Während ein Patrick Wolf sich mit seiner Kunst vom Hörer abhebt und Get Well Soon momentan alle Lichtschalter auf hell stellen, ist Conor O’Brien im Geiste (und im Namen) vielmehr ein Bruder von Conor Oberst. Oha, jetzt sind wir schon wieder bei den Querverweisen. Dabei ist das doch gar nicht nötig.

Seit  11. Januar 2013 im Handel.