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Vennart – The Demon Joke
Vennart – The Demon Joke

Vennart – The Demon Joke

7.5

Genre:
Label: Superball

Erstellt am: 28.06.2015
Autor:
Erstellt am: 28.06.2015   Autor:

Rezensionen

Still Operating

Einen Witz versteht man manchmal nicht, findet ihn nicht lustig oder fühlt sich ausgelacht. Fehlende Selbstironie kann verheerende Folgen haben. Humor ist gar kein einfaches Thema.

Humor kann in traurigen, schwierigen oder extremen Situationen sehr schwarz erscheinen. Schwarz ergibt sich aber bekanntlich durch Mischung bestimmter Farben und so hat auch Humor mehrere Ebenen. Was passieren kann, wenn diese Ebenen massiv anders wahrgenommen werden, zeigte der Anschlag auf Charlie Hebdo. Im Interview mit der britischen Indepenedent greift Mike Vennart dieses Thema auf: „That’s just the most brutal example of someone who can’t take a joke and people had to die for that“. Der Titel „The Demon Joke“ ist inspiriert von Comedy. Es ist kein satirisches und auch kein humorvolles Album. Aber es ist mehr als „nur“ Musik.

Kaum waren Oceansize Geschichte, machte sich Mike Vennart an die Arbeit. Der Sänger und Gitarrist der Band aus Manchester hat viel Energie. Er tourt mit Biffy Clyro um die Welt und hat massgeblichen Anteil an deren fantastischer Livepräsenz. Und Vennart wurde Vater. Da bleibt nicht viel Zeit für sich. Das hört man „The Demon Joke“ nicht an. Vennart bleibt experimentierfreudig und seiner Linie treu, traut sich aber mehr Pop („A Weight in the Hollow“). Steve Durose und Gambler, zwei weitere Protagonisten von Oceansize, beteiligten sich an diesem Album. Besonders Durose kam schon immer eine besondere Rolle zu. Er ist mittlerweile nicht nur Produzent, sondern war bereits ein wichtiger Faktor im Schreibprozess von Oceansize – gerade auch was den Gesang betrifft. Vennart selber klingt immer noch nach Mike Patton, wenn er in „Duke Fame“ sein ganzes Spektrum abruft. Dass Vennart viel mit den Schotten von Biffy Clyro unterwegs war, ist ebenfalls nicht spurlos an „The Demon Joke“ vorbei gegangen. So scheint gerade der Albumabschluss mit „Operate“ und „Amends“ am meisten abgefärbt bekommen zu haben.

Die grosse Qualität aber liegt im Genie des Hauptprotagonisten: Wie Mike Vennart es schafft, verschiedenen Elemente zu verflechten, zeugt von seinem Talent. Exemplarisch dafür ist „Retaliate“: Ungerade Takte, elektronische Spielereien, schräge Gitarrensoli und meisterliche Gesangsarbeit. Mit „Doubt“ gelingt ihm diesbezüglich das ganz grosse Glanzstück. Die Zusammenführung aller Ebenen, die nach 2:48 einsetzt, ist der beste Moment eines Albums, das viele solcher Momente bereithält. „The Demon Joke“ ist mutig, weil es viel will, vieles ist und trotzdem nicht anbiedert oder zerfällt. Es ist ein Album eines Musikschaffenden, der zwar keine Grenzen hat und trotzdem weiss, welche zu setzen. Es ist genau so spannend wie Oceansize es waren und doch nicht einfach nur eine Fortsetzung davon. Vennart hat vieles richtig gemacht – hoffentlich hält diese Spannung möglichst lange an.

Ab 19.06.2015 im Handel erhältlich.