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Various – Kein Mensch ist illegal
Various – Kein Mensch ist illegal

Various – Kein Mensch ist illegal

Erstellt am: 27.10.2015
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Erstellt am: 27.10.2015   Autor:

Rezensionen

Solidarität und Freiheit

Es wird Zeit, den Wohlstandsbauch einzuziehen und zu schauen, wo die eigenen Füsse stehen. Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit.

Angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise und den Schweizer Parlamentswahlen, die zweifelsohne auch unter dem Eindruck dieser standen, ist die Zeit vorbei, in der man schweigen, wegsehen oder anderweitig passiv bleiben kann. Wer nur eine einschränkende Mauer um seine nationalistische, fremden- und menschenfeindliche Haltung bauen will, der leistet mit Sicherheit keinen Beitrag zur Lösung von globalen Problemen. Und was hat eine solche Abschottung eigentlich mit Freiheit zu tun? Die elenden rassistischen Kommentare im Internet, die sich im Dünkel einer völlig falsch verstandenen Meinungsfreiheit selber legitimieren wollen, darf man nicht kommentarlos hinnehmen.

Das Label Unter Schafen zeigt Haltung, in dem es 36 deutsche Künstler auf seinem Sampler „Kein Mensch ist illegal“ vereint. Sämtliche Erlöse gehen an die Organisationen Pro Asyl und Kein Mensch ist illegal. Es macht Sinn, auch als Schweizerin oder Schweizer diese Organisationen zu unterstützen, weil gerade das Land, in dem wir leben, vom Flüchtlingsstrom ziemlich unberührt blieb. Was man von unserem nördlichen Nachbarland nicht behaupten kann. So steht im Booklet denn auch: „Im Kampf gegen Rassismus wird es immer wichtiger, MigrantInnen in ihren Kämpfen gegen Illegalisierung und für ihr Recht, überhaupt Rechte zu haben, politisch und praktisch zu unterstützen“. Verschärfte Asylgesetze bedeuten nichts anderes, als Menschen, die fliehen müssen, in die Illegalität zu zwingen. Die Frage aber ist: „Wie kann ein Mensch illegal sein?“.

Künstler wie Farin Urlaub, Kraftklub, Casper, Jan Delay, Deichkind und Herbert Grönemeyer sind genauso vertreten wie Love A, Thees Uhlmann, Marcus Wiebusch, Tocotronic, Kante, Turbostaat, Pascow und viele mehr. Das Herzstück des Samplers ist „Dann ohne mich“ der Donots, dessen Sänger Ingo Knollmann im Booklet klar und unmissverständlich das Wort ergreift: „Wir haben Köpfe, die wir für eine bessere, freie, vorurteilslose, gemeinschaftliche Welt einschalten und benutzen müssen“. Viele der ausschliesslich deutschsprachigen Songs passen inhaltlich sehr gut zum Anliegen des Samplers.

Es ist eine beeindruckende Fülle von Bands verschiedenster Genres wie Indie, Pop, HipHop, Punk und Electro. Es wäre schön, es würden sich hierzulande auch so klare, öffentliche Widerstände gegen die menschenfeindliche Haltung vieler MitbürgerInnen regen. So verstehen wir „Kein Mensch ist illegal“ nicht nur als „Zeige- und Mittelfinger, welche die Hetze und den Hass öffentlich an den Pranger stellen“, sondern auch als Mahnfinger an unsere eigene Haltung: Wenn hier mit jedem Jahr alles weiter nach rechts rutscht, findet man sich bald in einem Land wieder, in dem Fremdenfeindlichkeit mehrheitsfähig ist und man selber ausgegrenzt sowie als Gutmensch beschimpft wird, nur weil man sich für Menschen einsetzt. Und ja, teilweise ist das heute schon so.

Ab 23.10.2015 im Handel erhältlich.