Exit Music
Various Artists – Next Life
Various Artists – Next Life

Various Artists – Next Life

8.0

Genre: ,
Label: Hyperdub

Erstellt am: 24.11.2014
Autor:
Erstellt am: 24.11.2014   Autor:

Rezensionen

Weiterleben

Was für die meisten Arten von Tanzmusik wahr ist, trifft bei Juke und Footwork besonders zu: Es ist Musik, die auf Compilations oder Mixes deutlich besser funktioniert als auf einem Album.

Seit den drei Jahren, in denen der Musikstil von den Strassen Chicagos aus die Welt eroberte und die elektronische Musik als Ganzes prägte, gelten immer noch Compilations wie “Bangs & Works“ als Genre-Höhepunkte. Selbst die herausragenden Longplayer des Genres wie “Double Cup“ von DJ Rashad oder “Da Mind Of …“ von Traxman wirken auf Dauer ermüdend und werden am besten in kleineren Dosierungen konsumiert.

“Next Life“, eben vom britischen Label Hyperdub zusammen mit dem Chicagoer Footwork-Konglomerat Teklife veröffentlicht, ist eine Compilation der etwas anderen Art. Sie ist ein Tribut an das Schaffen eines einzelnen Künstlers, der an der Speerspitze der Footwork-Bewegung stand: DJ Rashad trug erheblich dazu bei, den sperrigen Juke-Sound in die weite Welt zu tragen. Auf “Double Cup“ und besonders auf der “Rollin‘ EP“ fand Footwork zu einer vollendeten Form. Leider setzte er seinem Leben auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit einem Drogencocktail ein viel zu frühes Ende, mit lähmendem Effekt auf die Szene. So gut wie alles, was im Genre Rang und Namen hat, steuert nun exklusive Tracks zu dieser Tribute-Compilation bei und erweist DJ Rashad seine letzte Ehre.

Vertreten sind so nicht nur Genre-Pioniere wie RP Boo, Traxman oder DJ Rashad selbst, sondern auch die zweite Generation von Footwork-Producern aus Chicago sowie weitere Genre-Exponenten aus den USA und Europa. Seit Juke und Footwork aus dem Ghetto House Chicagos hervorgingen, ist einige Zeit vergangen. Der Sound hat sich gewandelt und gerade dank Rashads Zutun auch hörbar erweitert. Auf “Next Life“ finden sich Stücke, die eindeutig dem (Ghetto) House Tribut zollen, etwa Gant-Mans “Jungle Juke“ oder das euphorische “U Should No“, das der amerikanische DJ Paypal mit den beiden Belgradern Feloneezy and Jackie Dagger schuf. Andere Stücke wie “Burn That Kush“ (DJ Spinn & Taso) oder “Drop That Thang“ (Taso im Alleingang) setzen wiederum auf die erstaunlich langlebige Trap-Beatgerüste. Dj Tres Beiträge wiederum sind ganz den Drum’n’Bass und Jungle-Klängen Englands verpflichtet.

In jedem dieser Fälle bietet “Next Life“ ekstatische Musik, die hyper-kinetische Rhythmen mit wild zerhackten Samples vereint. Es ist sperrige Musik, die mit 140 bis 160 Beats per Minute rasend schnell ist, oft genug dank harmonischen Soul- und Jazz-Chords aber doch einen relativ einfachen Zugang ermöglicht. Persönliche Favoriten sind DJ Tres orchestrale Drum’n’Bass-Eskapaden (“Dnb Spaceout“ und“Dnb Funk“), “Live in Chicago Subway“ von Sirr TMO und das triumphale “Do This Again“ von Dj Earl & Taye, das wohl als einer der Electronica-Tracks des Jahres gelten dürfte.

Seit 14. November 2014 im Handel erhältlich.

rashad2