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Various Artists – Futurism Ain`t Shit To Me 2 (2005)

Various Artists – Futurism Ain`t Shit To Me 2 (2005)

4.0
Erstellt am: 06.03.2006
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Erstellt am: 06.03.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Zu simpel

Die Wiederbelebung zweier aussterbender Elemente des Musikgeschäfts: Hip Hop und Sampler-CDs. Wie ein Wiederbelebungsversuch den Untergang rechtfertigen kann.

Gleich vorweg: Wenn das Futurism ist, dann ist Futurism ganz gewaltiger Shit to me. Und wahrscheinlich auch für viele andere. Ladies & Gentlemen, KYO Records präsentieren einen Sampler mit modernem Underground-Hip Hop, der weder das Potenzial der Musik noch das der Sampler-CD erfasst. Statt einen Überblick zu schaffen, wie vielfältig der moderne Hip Hop sein kann und welche Möglichkeiten der massive Einsatz elektronischer Elemente bietet, werden gleich haufenweise die simpelsten Bum-Bum-Beats, begleitet von lahmen Samples ( „Rock On“), viel Gepiepse („Missing“), müden Raps und möglichst anarchistischem Electronic-Blabla dargeboten. Dabei hat sich auch so mancher Tiefpunkt auf die Scheibe geschlichen, allen voran das unsägliche „I-Deez“ von 8-Bit, dicht gefolgt von Otto von Schirachs „Earjuice Synthesis“ oder Soles „On Martyrdom“, das irgendwo zwischen dem Sound eines Ur-Nintendos und dem wohlbekannten Gangsta-Getue rumhüpft (nachdem er minutenlang „shotmedown shotmedown“ rappt, ist man durchaus bereit, es zu tun).
Klar, es ist Underground. Deeeeeeep down true to the bone underground. Aber angesichts der Qualität (die keine ist), kann man Underground getrost als “unterirdisch” übersetzen und es gilt weiterhin, was bei Hip Hop eigentlich schon immer so war: Entweder man entdeckt es selbst oder lässt es bleiben, aber sich von Dritten überzeugen zu lassen scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Die zweite „Futurism Ain`t Shit To Me“ ist jedenfalls eine denkbar ungeeignete Ansammlung von Tracks, um dieses Genre kennen zu lernen. Denn die technischen Feinheiten, das Genie beim Kombinieren von Rap und Electronica, die unglaubliche Energie, die damit erzeugt werden kann, tauchen praktisch nie auf. Einen positiven, aber unfertigen Eindruck hinterlassen „Disthant“ und „Common Like Baseball Cards“, die in den Händen des richtigen Künstlers eine hervorragende Basis wären und mit passenden Raps, die den mystischen Flow einfangen, sicher begeistern würden. Der vorletzte Track „O Silent Bed“ ist einsamer Höhepunkt der CD, ansonsten wirkt alles sehr unfertig, zu simpel oder überladen, zerstört sich gegenseitig, statt miteinander zu funktionieren. Als hätte man den einen Tracks eine Tonspur entfernt und sie bei einem anderen blind draufgepackt.
Seit dem 16. Dezember 2005 im Handel.

Anspieltipps: Pedestrian – O Silent Rap; Malcom Kipe – Common Like Baseball Cards
Trackliste: 1) Soul Junk – Ungst Func Slag Collision; 2) Forss – Soulhack; 3) The Tape vs Infinite Livez – The Return Of The Menstruating Man (Data MC Rmx); 4) Sole – On Martyrdom; 5) NQ – Disthant; 6) Quasimoto – Come On Feet; 7) Prince Po – Hold Dat (Club Mix); 8) Slum Village – Set It; 9) Malcom Kipe – Common Like Baseball Cards; 10) 8-Bit – I-Deez; 11) Daedelus – Missing 12) Jackson And His Computer Band – Rock On; 13) Stacs Of Stamina – Tivoli; 14) Otto von Schirach – Earjuice Synthesis (Jamie Lidell¹s Hair Does Not Loose About This Hoose Remoox); 15) BUS feat. MC SoomT – Keep Life Right (Dabrye Rmx); 16) Pedestrian – O Silent Bed; 17) General Electrics – Central Park
similar artists: Roots Manuva, Slum Village, African Bambaataa