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Vampillia – Some Nightmares Take You Aurora Rainbow Darkness
Vampillia – Some Nightmares Take You Aurora Rainbow Darkness

Vampillia – Some Nightmares Take You Aurora Rainbow Darkness

6.0

Genre: , ,
Label: Candlelight Records

Erstellt am: 15.07.2014
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Erstellt am: 15.07.2014   Autor:

Rezensionen

Seltsame Mischung

Als ob man den polnischen Avantgarde-E-Musiker Krzystof Penderecki gemeinsam mit einem Haufen Core-Jünger in die japanischen Alpen geschickt hätte. Zum Glück ist keine Platte für Musiklehrer dabei rausgekommen

In Wahrheit hat Ben Frost dieses Album aufgenommen, in den sagenumwobenen Studios von Sigur Rós in Island. Und das hört man in genau einem Song, dem letzten mit dem Titel „Kizuna“ – denn nur der hat sphärisch angehauchte Elektronica-Anleihen. Vampillia spielen eine extrem anspruchsvolle Kombination aus Neoklassik, Postrock und Math Metal.

Das Gewicht liegt dabei aber weniger auf Letzterem, die Musik ist nicht etwa anstrengend, weil sie so hart ist, sondern so unberechenbar.  Vampillia landen schnell in einer Schublade mit Dir En Grey, von deren die mittlerweile sowieso keiner mehr versteht. Aber diese Platte mit dem Titel, der zu lang ist, um ihn zu nennen, ist kein Manga-Prog sondern gefällt eher dem aufgeschlossenem Klassikhörer als dem Festivalgänger.

Wenn man kein Japanisch lesen kann, ist es unmöglich, sich sinnvoll durch Vampillias Homepage zu klicken. Das einzige was lesbar ist sind Bandnamen: SunnO))), World´s End Girlfriend, Dakota Suite. Und das zeigt schon den gewagten Spagat, in dem sich die Band bewegt. Das ist für Menschen, die sich mit Prog Metal auskennen, nicht ungewöhnliches mehr, aber Nur selten gelingt es Bands in einer Welt mit wahnsinnig viel Musik noch, richtig ab vom Schuss zu sein.

Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass vieles, was es nicht gibt, auch zurecht nicht existiert. Über Vampillias seltsame Mischung könnte man sich streiten, aber mit wem nur? Wer das hier freiwillig hört, steht sowieso drauf und liebt die Glockenspielpassagen, die „Silences“ beschließen genau so wie „Rainbow On You“, das sich anhört, als hätte man einen Post Metal-Song auf eine Minute komprimiert und dafür einfach alles übereinandergelegt.

In Kollagen wie „Silences“ zerklatscht immer wieder die Doublebass die Ruhe. Besonders schön ist trotzdem das siebenminütige Intro, ganz ohne Geschrei und knallende Drums. Immer wieder brechen auf dem ganzen Album Momente solch ungestörter Schönheit hervor, wie der Track „Dream“. Hier gönnen uns Vampillia sogar beschwingte Jazz-Momente. So etwas kann schnell eine frustrierende Hörerfahrung werden, weil man eigentlich nicht weiß, was diese Band erreichen möchte. Hinter dem Album verbirgt sich kein einheitlicher Sound, keine klare Vorstellung davon, wie sie denn klingen soll, diese Rainbow Darkness. Aber möglicherweise taugt das doch zu mehr als nur Angeberei.