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Ungdomskulen – Cry-Baby

Ungdomskulen – Cry-Baby

6.0

Genre: ,
Label: Ever Records

Erstellt am: 05.10.2007
Autor:
Erstellt am: 05.10.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Hü – Im Galopp!

Diese Norweger sind komplett übergeschnappt. Spätestens wenn der Gesang aussetzt, gehen den Jungs an den Instrumenten die Gäule durch und sie rocken PS-stark los.

Vom ersten Takt weg begeistern Ungdomskulen mit einem selten so direkt gehörten Output an Energie und Spielfreude. In einer Dreierbesetzung – für den Gesang zeichnet sich Gitarrist Kristian Stockhaus verantwortlich – hat jedes Instrument viel Raum zur musikalischen Entfaltung. Ungdomskulen nützen diesen auf sehr eigenständige Art und Weise aus. Die Vergleiche, die mir beim Anhören von „Cry-Baby“ einfallen, würden den Rahmen dieser Rezension sprengen und trotzdem nicht ins Schwarze treffen. Musikalische Verwandte von Ungdomskulen sind eher ’Brothers in mind’ als ähnlich klingende Bands.

Der Opener „Ordinary Son“ offenbart vom Fleck weg, was Sache ist. Ein rauer, erdiger Gitarrensound trifft auf eine bollernde Rhythmusgruppe, wo sich Bassist Frode Flatland mit seinen markanten, treibenden Grooves mindestens einen Drittel des Soundkuchens sichert. Was noch relativ harmlos beginnt, wird nach der zweiten Strophe zusehends wilder, eingeleitet von noisig verzerrrt runtergeschredderten Gitarrenakkorden. Ab dem Refrain entfleucht das Trio herkömmlichen Schemas und weiss mit vielen Breaks, Taktwechseln, und rhythmisch interessant gestalteten Parts die Spannung aufrecht zu erhalten, ehe man sich wieder auf die Basisideen des Songs besinnt und nach über sieben Minuten abschliesst.
„Glory Hole“ fordert einen bereits wieder mit einem mörderischen Bass heraus. Herzstück des Songs ist der lange instrumentale Zwischenteil, wo Gitarre und Schlagzeug (mit Cowbells) einen einnehmenden, uhrwerkartig tickenden Groove inszenieren, auf welchem dann virtuos und stimmungsvoll aufgebaut wird, bis die ganze Chose wieder mit einem wild heruntergeschredderten Akkordteil aufgelöst wird und man sich wieder auf die Basisideen der Songs besinnt…und nach über sieben Minuten abschliesst. Ja, richtig gelesen, „Glory Hole“ funktioniert diesbezüglich wie „Ordinary Son“ – wirkt aber deswegen nicht störend oder gar einfallslos.

Ideenlosigkeit müssen sich Ungdomskulen bestimmt nicht vorwerfen lassen. Instrumental ist alles toll gespielt und die Produktion hat fast schon die Qualitäten eines Konzertes, was die Direktheit anbelangt. Kritik erachte ich am ehesten beim Gesang als angebracht. Dieser ist so ziemlich von Anfang bis Ende eine schreiend schräge Angelegenheit. Diese kehlige Freakshow ist zwar zur Musik passend, aber deswegen noch lange nicht gut. Im Falle Ungdomskulen kann ich meistens damit leben, weil bei den meisten Songs (oder bin nur ich es, weil vom Gesang vergellt?) der Fokus eher auf der instrumentalen Leistung liegt. Zudem halte ich die Balance zwischen den ungestümen instrumentalen Passagen und den deutlich weniger variantenreichen Strophen und Refrains für vielerorts nicht ausgewogen.

„Cry-Baby“ ist insgesamt trotzdem ein gelungenes, ungestümes Rockalbum geworden, sehr groovig, verspielt und eigenständig. Für eine höhere Wertung meinerseits reicht es vor allem wegen dem nervigen Gesang nicht. Drei Punkte.

Ab 8. Oktober 2007 im Handel.