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Tyler, The Creator – „Cherry Bomb“
Tyler, The Creator – „Cherry Bomb“

Tyler, The Creator – „Cherry Bomb“

7.5

Genre: , ,
Label: Sony

Erstellt am: 09.05.2015
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Erstellt am: 09.05.2015   Autor:

Rezensionen

„Named my album Cherry Bomb because ‚Greatest Hits‘ sounded boring“ – Tyler, The Creator ist zurück. Und sein neues Album ist tatsächlich ziemlich aufregend. 

Tyler fährt die Lautstärkeregler auf den ersten Tracks voll auf und packt eine riesige Palette an Einflüssen in seine neuen Songs. Der Einstieg „Deathcamp“ bringt die volle Rap-Rock-Keule mit, sagen wir mal, ungeschicktem Text. Der vergleicht das Leben vor den Kameras und Scheinwerfern mit ebenjenem „Deatchamp“. Ähnlich wie Earl Sweatshirt fühlt sich Tyler mit seiner neuen Rolle als etablierter Künstler nicht wirklich wohl.

Politisch korrekter schlägt der ebenfalls großartige Track „Pilot“, der für die Hook das Tempo gekonnt rausnimmt: „I live first class but I feel like coach“. Wie in diesem Song ist Tyler an vielen Stellen bemüht, einen deutlich smootheren Stil zu fahren. Neo-Soul wie viele weibliche Backing Vocals bestimmen auch in „Find Your Wings“ und dem mit Saxophon und Streichern auffällig orchestrierten „2Seater“ den hinteren Teil des Albums.

Trotz der für Tyler-Verhältnisse recht kurzen Spielzeit von einer knappen Stunde bietet „Cherry Bomb“ die größte Varianz zwischen Laut und Leise, die es je auf einem Odd Future-Album zu hören gab. Der ruhigeren zweiten Albumhälfte steht aggressiver Industrial Rap gegenüber: Der Titeltrack kombiniert die ultraverzerrten Death Grips mit den guten alten Trash-Synthies aus frühesten Odd Future-Zeiten.  Ein herausstechender Song, weil er zeigt, dass Tyler für derart wahnsinnigen Spaß immer noch zu haben ist.

Eher textlich an vergangene Zeiten erinnert das an dieser Stelle eher nicht zitierfähige „Blow My Load“, eine sabbernde, nunja, Liebeserklärung an das Model Cara Delevingne (übrigens die Freundin von Indie-Popstar St. Vincent. Am besten ist der 24-jährige eben immer noch, wenn er ganz Großmaul ist.

Mehr als die Kunstfigur Tyler, The Creator und ein paar gute Beats braucht es also in der Regel nicht für ein Stück grandios absurde Unterhaltung. Dafür braucht es gar nicht unbedingt die (zweifellos mit Liebe gemachten) Features mit Pharell Williams und Kanye. Bei Künstlern wie Mr. Creator kommt es nicht darauf an, ob man persönlich mit ihm sympathisiert oder ihn hasst. Je stärker Tyler den Hörer polarisiert, desto interessanter wird seine Musik.