Exit Music
Tunica Dartos – Fall
Tunica Dartos – Fall

Tunica Dartos – Fall

8.0

Genre: ,
Label: Little Jig

Erstellt am: 27.03.2013
Autor:
Erstellt am: 27.03.2013   Autor:

Neuerscheinungen

 (Hoden)sackstark

Post-/ Mathrock und Luzern, zwei wunderbare Dinge. Dass die Tunica Dartos eine dünne Schicht glatter Muskelfaser unter der Haut des Hodensacks ist, ist ebenfalls ’ne wunderbare Sache, spielt hier aber keine Rolle.

Ich gehe an dieser Stelle nicht genauer auf die Temperaturregulation des Skrotums ein, sondern versuche, die Musik des seit nunmehr 10 Jahren ausgeklügelten Post-/ Mathrock spielenden Trios aus Luzern zu beschreiben. In der Schweiz ist die Band vor allem Genrefetischisten bekannt, europa- und weltweit haben sich Tunica Dartos vor allem durch eine ungeheure Anzahl Konzerte u.a. aber auch mittels Zusammenarbeit mit Steve Albini einen Namen erspielt. ‚Fall‘ ist, neben verschiedenen Nebenprojekten – von Elektronik bis Soundtrack – das dritte Studioalbum der Mannen. Und dieses vermag die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen. Von sphärisch-verträumtem, wuchtig-düsterem Postrock bis vertracktem, rhythmisch hochkomplexen Hochtempo-Mathrock deckt das Werk sämtliche Spielarten des instrumentalen, gitarrenlastigen Musizierens ab.

Nun, auch dieses Album wird die geschätzte Leserschaft nie und nimmer im Lieblingsclub der tanzwütigen Mehrheit zu hören bekommen. Dazu zu tanzen würde wohl eher wie gewolltes Stolpern aussehen…und der alte Grundsatz – wer tanzt, hat kein Geld zum Saufen – soll weiterhin gelten.

Nun, das Album beginnt mit ‚Hymn‘ sehr genial. Nur schon der Titel verlockt, an die ‚Hymn to the Immortal Wind‚ der grossartigsten Postrock-Band aller Zeiten zu denken. Sanftes, schnelles Spiel, langsame, breite Gitarrenwände, Postrock in Reinform. Auch ‚Dolores‘ zielt in diese Richtung. Im Verlauf des Albums nimmt die Komplexität jedoch stetig zu. Aus Post- wird Mathrock, wobei Tunica Dartos es meisterhaft fertigbringen, die Genres zu verschmelzen. Die jeweils ca. 5 min dauernden Tracks verlangen, genau gehört zu werden. Spielerische, v.a. rhythmische Finessen findet man en masse. Hier ins Detail zu gehen sprengt den Rahmen des geschriebenen Wortes. Darum folgenden Empfehlung: Es bedarf einer kurzen Recherche, man suche sich das entsprechende Lokal (aktuell wirds wohl schwierig, Tunica Dartos spielen sich durch Osteuropa, am 30.5. trifft bzw. hört man sie jedoch in der Grabenhalle in St. Gallen), in welchem die Truppe zu spielen beabsichtigt und geniesse –  idealerweise mit geschlossenen Augen, das meisterhafte Spiel. Mitwippend auf der Suche nach dem Takt oder – ohne Rücksicht auf seine Halswirbel – hart nickend (wer rumpogen will, meide Postrock-Konzerte…die Zuhörer sind jeweils zu sehr auf die Musik fixiert, um sich wildem Gehüpfe hinzugeben), verspreche ich ein nachhaltig in Erinnerung bleibendes Konzerterlebnis. Noch einfacher: Man bestelle sich das Album und mache sich selbst bzw. seiner Stereoanlage mal wieder ein schönes Geschenk.

Seit  15. März 2013 im Handel.

> Unser Genre-Guide zu Post-Rock
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Anspieltipps:
> Dolores
> To Love an Instrument

Diskographie:
> Sound Buffet (2011)
> H.T. Rønjes (2012)
> Fall (2013)

Ähnliche Künstler: 
> Mono
> Lird van Goles
> Sincabeza