Exit Music
Touché Amoré – Is Survived By
Touché Amoré – Is Survived By

Touché Amoré – Is Survived By

8.0

Genre:
Label: Deathwish

Erstellt am: 03.10.2013
Autor:
Erstellt am: 03.10.2013   Autor:

Rezensionen

Stay Forever

„You might say I’m off/ But it’s the first time I’m feeling on“. Jeremy Bolm verspürt Lebensfreude und stellt die Sinnfrage neu.

Auf „Is Survived By“ geht es nicht mehr darum, was der Protagonist in seinen Texten hier soll – sondern was von ihm bleiben wird. Natürlich liegt es nahe, dass Bolm über sich selber schreibt. Er spricht in den Interviews ja auch von sich. Und jetzt also steht die Grundfrage jeglicher Kunst im Raum, vermutlich sogar die Grundfrage des sich selbst bewussten Menschen. „I don’t know what my legacy will be“, stellt Bolm fest und der Hörer seiner Band will vorschnell erwidern: Touché Amoré? Bolm ist aber nun mal mehr als nur Frontmann einer Band und so legt er nach: „A song, some words I wrote/ Or a kid I’ll never see“. Da ist er also wieder, der Grundpessimismus in seinen Texten. Auch wenn er zufriedener oder gar manchmal glücklich sein mag, vertreibt er die Schmetterlinge doch hin und wieder: „Don’t worry/ I still get dizzy in the usual situations“.

Zurück beim Kunstbegriff, erkennt man schnell, dass Bolm keinen Meeresgraben mehr zwischen sich und der Helligkeit aufschreit. Viel lieber möchte er nun bleiben. „Just Exist“. Musik machen, die möglichst viele Menschen erreicht. Mit Hingabe und Emotionen: „There’s promiscuity and devotion/ Only one fulfills an emotion“. Das alles schaffen Touché Amoré mit „Is Survived By“. Die Songs sind ein bisschen länger als auf dem Vorgänger, die Parts oft zweimal eingebaut. Dieses Album ist zugänglicher, so wie die Welt wohl für Bolm zugänglicher geworden ist. Die neue Greifbarkeit macht „Is Survived By“ nicht besser als „Parting the See Between Brightness and Me“, aber anders – und das ist im Kontext von Songs, die oft um die zwei Minuten kreisen, besonders hervorzuheben.

Der Mensch will nicht sterben, ohne dass man sich an ihn erinnert. Er ist so. Am liebsten würde er überhaupt nicht sterben. Das Leben zu dunkel, das Sterben zu sinnlos – weil endgültig. Das Dilemma, das sich mit den Themen der beiden genannten Alben ergibt, scheint eher eine Entwicklung zu sein. Bolm nennt es Transformation. Damit taumelt er von der Sinnfrage, die er mit Selbstverachtung gegen innen gerichtet hatte, zu der Sinnfrage, die er nun nach aussen an die Menschen weitergibt. Es soll etwas bleiben, ein Zeitzeugnis unseres Daseins. Hätte man für sich selber eins wie Touché Amoré, man müsste sich eigentlich nur fragen, ob sich in 100 Jahren noch jemand grandiose Hardcoreplatten aus dem Jahr 2013 anhört. Wohl eher nicht. Bolm wird sich seine Antwort also ausserhalb der Musik suchen müssen. Und das ist womöglich der einzige Schwachpunkt: So tief gehen seine Gedanken diesmal nicht.

Seit 20. September 2013 im Handel.

> Hören und Kaufen> Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Just Exist
> Anyone/Anything
> Kerosene

Diskographie:
> …To the Beat of a Dead Horse (2009)
> Parting the Sea Between Brightness and Me (2011)
> Is Survived By (2013)

Ähnliche Künstler:  
> La Dispute
> Defeater
> Modern Life Is War