Exit Music
Tool – 10,000 Days (2006)
Tool – 10,000 Days (2006)

Tool – 10,000 Days (2006)

9.0

Genre: , , ,
Label: Sony BMG

Erstellt am: 30.06.2006
Autor:
Erstellt am: 30.06.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Overwhelmed as one would be, placed in my position

Während hunderte Bands ihr Image verkaufen und die Musik zweitrangig wird, während unzählige Emo – Metal – Core – Wave – Punk – Retro – The-Bands aus dem Boden spriessen, um einem Trend zu folgen, während die Charts von 3-Minuten-Knalltüten-Liedern dominiert werden, lässt uns eine vierköpfige Combo aus Los Angeles ein weiteres Mal wissen, um was es geht. Um Musik. Und nichts anderes. Ladies and Gentlemen, Tool veröffentlichen ein neues Album.

von Severin Buckingham

Bei Tool ist alles ein bisschen anders. War es schon immer. Tausende Teilchen, unzählige Breaks und schräge Rhythmen. Das, was ein Tool-Song schon immer ausgezeichnet hat. Die faszinierende, jede Emotion nachahmende Stimme des Herr Keenan, Adam Jones, der die Gitarre handhabt, als lege er sie vor dem Schlafengehen zärtlich neben das Kopfkissen, Justin Cancellor, der den Bass fulminant im Griff hat, sowie Danny Carey, der sein Drum mit seinen 17 imaginären Händen bezirzt. Fünf lange Jahre musste der Fan warten, was vor allem an des Sängers Zweitband A Perfect Circle lag, die in der Zeit ihre zweite Scheibe „Thirteenth Step“ aufnahmen.
Doch nun ist sie da. „10,000 Days“. Für Tool-Verhältnisse ein recht belangloser Titel, der sich in der Musik aber keineswegs bestätigt. Ein weiteres Mal haben es die vier Herren geschafft, ein wundersam konstruiertes, komplexes sowie progressives Meisterwerk abzuliefern. Ein Tool-Album braucht Zeit. Ist man nach dem ersten Hören schlichtweg überfordert, denkt man beim 5ten Durchlauf schon anders, beim 13ten dann werden im Gehirn erste Lieblingssongs registriert (die jedoch andauernd wechseln) und spätestens beim 24ten Durchlauf ist ein musikalischer O(h)rgasmus schwer zu unterdrücken.
Aber alles der Reihe nach: „Vicarious“, der Opener stellt unsere Sensationsgeilheit an den Pranger: “We all feed on tragedy / It’s like blood to a vampire / Vicariously I live while the whole world dies / Much better you than I”. Während “Jambi” etwas Tool-untypisch beginnt, steigert sich auch dieser und wandert von Höhepunkt zu Höhepunkt. Das zusammenhängende 17-minütige Titelstück des Albums „Wings For Marie (Part 1)“ / „10,000 Days (Wings Part 2)“ widmet Keenan seiner verstorbenen Mutter, das sich zu einem sehr persönlichen Song steigert. “She never told a lie / Well might of told a lie / But never lived one / Didn’t have a life/ But surely saved one”. An Atmosphäre kaum zu überbieten, Klänge schweben im Kopf umher. Und wenn er zu „It’s time now / My time now / Give me my wings“ abhebt, muss man ein Herz aus Stein haben, um nicht berührt zu sein. Bei „The Pot“ geht’s dann wieder härter zur Sache. Dieser Song hätte auch auf „Aenima“ aus dem Jahre 1996 gepasst. Tool back to the roots? Bei „Rosetta Stoned“ blickt man auf und wird erdrückt. Ein solch komplexes Stück Musik haben selbst Tool selten geschrieben. Während sich dieses nur langsam erschliesst, werden während des Songs Berge versetzt, Täler weggefegt und Wälder abgeholzt. Im musikalischen Sinne, versteht sich. Während sich bei „Intension“ elektronische Einzelheiten ins Gesamtbild einfügen, kommt zum Schluss noch ein absolutes Perkussion umhülltes Highlight: „Right In Two“. „Angels on the sideline / Puzzled and amused / Why did Father give these humans free will? / Now they’re all confused.” Ja, verwirrt waren wir am Anfang alle. Doch Tool zeigen uns immer wieder den Weg.
Seit 28. April 2006 im Handel.

Anspieltipps: Jambi; Rosetta Stoned; Right In Two
Trackliste: 1) Vicarious; 2) Jambi; 3) Wings For Marie (Part 1); 4) 10,000 Days (Wings Part 2); 5) The Pot; 6) Lipan Conjuring; 7) Lost Keys (Blame Hofmann); 8) Rosetta Stoned; 9) Intension; 10) Right In Two; 11) Viginiti Tres
similar artists: Oceansize, Amplifier, Pink Floyd, King Crimson, Led Zeppelin, Peach, Khoma, Isis, Opeth, Neurosis, Deftones, Chevelle

Bio:
Es war Anfang der 90er Jahre, als Gitarrist Adam Jones und Sänger Maynard James Keenan beschlossen, neben ihren täglichen Jobs eine Band ins Leben zu rufen. In Bassist Paul D’Amour und Drummer Danny Carey fanden sich recht bald gleichgesinnte Mitstreiter. Tool waren geboren! Die Band fungiert laut Maynard als Werkzeug (Tool). Die Klänge seien irgendwo da draussen und suchten sich ein Medium, so der Sänger. Tool nahmen die erste EP „Opiate“ auf und tourten mit Rage Against The Machine und der Rollins Band durch die Lande. Durch die Freundschaft mit Henry Rollins entstand der Track „Bottom“, bei dem Henry einen Teil der Vocals performt. Der Titel wurde auf Tools erstem regulären Album aus dem Jahre 1993 veröffentlicht: „Undertow“.1995 verließ Paul D’Amour die Band. Er hatte andere musikalische Vorstellungen, wollte noch mehr experimentieren. Als Ersatz kam Peach-Bassist Justin Chancellor hinzu. Beim zweiten Album machte das Label aufgrund des großen Erfolges von „Undertow“ ein wenig mehr Geld für die Produktion locker. Man verpflichtete David Botrill als Produzenten und konnte erstmals so aufnehmen, wie es sich die Band auch schon für „Undertow“ gewünscht hätte. Das Ergebnis dieser Sessions ist mehr als imposant, ein Meilenstein der modernen Musikgeschichte: „Aenima“ heisst das Werk, erschien 1996, stieg auf Platz 2 der amerikanischen Album-Charts ein und gewann einen Grammy. Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren Tool gross. Und das, ohne sich jemals richtig auf die Medien einzulassen. Interviews und Pressefotos sind Mangelware. Video-Live-Mitschnitte von Konzerten? Undenkbar. Die Band war seit jeher darauf bedacht, ihre Musik und ihre Videos für sich sprechen zu lassen. 2001 kam „Lateralus“ in die Läden. Die Band lebte ihren Trieb zum Experimentieren noch weiter aus und schuf dreizehn komplexe Werke voller Emotionen. Tool sind immer mal wieder auf Welttournee und begeistern ihre Fans mit einer unbeschreiblichen Multimedia-Show. Ganze fünf Jahre nach „Lateralus“ ist nun das neue Album „10,000 Days“ erschienen.

Diskographie:
> Opiate EP(1989)
> Undertow (1993)
> Aenima (1996)
> Lateralus (2001)
> 10,000 Days (2006)