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Tiny Vipers – Life on Earth
Tiny Vipers – Life on Earth

Tiny Vipers – Life on Earth

8.5

Genre:
Label: SubPop

Erstellt am: 08.07.2009
Autor:
Erstellt am: 08.07.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Zu Fuss unterwegs

Jesy Fortino aus Seattle stellt als Tiny Vipers übersinnliche Fragen, die an einen Haruki Murakami voller Spiritualität und Träumerei erinnern

Die Antriebslosigkeit, die dieses Album durchgehend beherrscht, ist sagenhaft. Der Titel „Life on Earth“ führt dabei in die Irre: Es handelt sich nicht um Bedienungsanleitung für Ausserirdische, sondern um die Reise ins Innere, in eine mystische Gedankenwelt, die von Gefühlen und den eigenen Sinnen geleitet wird und mit der Abkehr von der bekannten Welt einhergeht.

Jesy Fortino verändert im Vergleich zu „Hands Across the Void“ nicht viel. Aber sie macht es besser: Mit einer tiefen eindringlichen Stimme schlängelt sie sich in der atmosphärischen Dichte ihrer von Gitarre und Piano begleiteten Songs geschickt  hindurch und bewegt dabei sichtlich tiefer als das letzte Mal. Nur „Time Takes“, ein der Wirklichkeit zugewandter treibender Folksong, stellt mit fast  komisch anmutenden und realitätsnahen Fragen („So why are you drifting away from us?“) die eigene innere Verlorenheit ins Zentrum und antwortet geschickt für den unwissenden Hörer („Your mind was somewhere/ Hard to define what’s going on“).

Der Opener „Eyes Like Ours“ und unvermittelte Start in die Geschichte „Do you recall when the world was still young…“ zeigt schon eindrücklich, welche Faszination Tiny Vipers umgibt: In plötzlichen Schüben und oft jede Zeile wiederholend wirkt ihre schwere Stimme und die tief gehenden Lyrics zu den sparsamen Songs einschüchternd und wie Balsam auf einmal. Die Wendungen erhalten so eine immense Aufmerksamkeit.

Vorab zu diesem Album kursierte der vielleicht eingängigste Song „Dreamer“ bereits im Internet, welcher sich zur repetierenden Melodie müde aufrafft und sich inwendig mehr und mehr zurückzieht. Erst zum Schluss brechen die Sätze „I’m going to live/ But i’m living far away/ And i’m going to die/ I’m dying for a way out“ aus dieser Haltung mit eindringlicher Helle heraus, erstrahlen und erschaudern mit einem Bekenntnis zu Leben und Tod gleichzeitig.

Meiner Meinung erinnern nur „Tiger Mountain“ stimmlich und das 8-minütige gespenstige Epos „Twilight Property“ mit den vielen Wechseln an die oft mit Tiny Vipers verglichene Joanna Newsom. Vielmehr kommen mir verwandte Songwriterinnen wie die märchenhafte Marissa Nadler oder die launische Faun Fables in den Sinn. Jedenfalls kreiert Jesy Fortino mit „Life on Earth“ ein aufwühlendes Meisterwerk, das ich gerne mit den Sätzen aus dem letzten Song, dem in Endlosschlaufe drehenden „Outside“ zitieren lasse: „And the silence that speaks/ In a small town that keeps/ It’s secrets in all of it’s homes“

Seit 3. Juli 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Eyes Like Ours
> Dreamer
> Life on Earth
> Twilight Porperty

Diskographie:
> Empire Prism (2006)
> Hands Across the Void (2007)
> Life on Earth (2009)

Ähnliche Künstler:
> Meg Baird
> Karen Dalton
> Marissa Nadler
> Julie Doiron
> Smog
> Songs: Ohia
> Cat Power
> Soap & Skin
> Phosphorescent
> Joanna Newsom
> Tanita Tikaram
> Faun Fables