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THEESatisfaction – awE naturalE
THEESatisfaction – awE naturalE

THEESatisfaction – awE naturalE

7.5

Genre: , , ,
Label: SubPop

Erstellt am: 20.06.2012
Autor:
Erstellt am: 20.06.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Da fällt einem Thomas Mann ein

Der Neo-HipHop von Stasia Irons und Catherine Harris-White alias THEESatisfaction ist nicht einfach zu fassen und reisst doch mit, klingt dabei mal kühl, mal wütend, hat aber immer Ecken und Kanten, die genauer hinhören lassen.

Schwarz, weiblich, lesbisch – in den USA ist es heutzutage schwieriger als auch schon, mit diesen drei Eigenschaften durchs Leben zu gehen. Spätestens seit Barack Obamas Amtsantritt erlebt das Land einen unvermuteten Rollback in Sachen Misogynie, Rassismus und Homophobie. Kleine soziale Fortschritte scheinen gewaltige kulturelle Rückschritte zu provozieren.

Es wäre ungerecht, das HipHop-Duo THEESatisfaction vor allem unter den oben genannten Eigenschaften fassen zu wollen. Dennoch spielt die spezifische Erfahrung, spielen Ausschluss und Selbstbehauptung Hauptrollen auf ihrem ersten „richtigen“ Album „awE naturalE“ (nach mehreren Mixtapes auf Bandcamp). Und will man die lyrischen und kraftvollen, trotzigen und liebevollen Texte einordnen, hilft nur eine Kontextualisierung – ernüchterte und regressive Jetztzeit auf der einen Seite, die reiche Geschichte eines schwarzen Amerikas auf der anderen. Dieses schwarze Amerika, das immer auch das „andere“ Amerika war, im Kosmos von THEESatisfactin ist es das massgebliche.
Daher muss es auch nicht näher erklärt und herangezogen werden. THEESatisfaction verzichten auf die Insignien der Ermächtigung, die sich im HipHop ja nicht nur durch Bling-Bling ausdrücken, sondern auch durch Referenzen. Samples? Eins: Earth, Wind & Fire. Gastrapper? Einer: Lazaro von Shabazz Palaces. Namedropping im Booklet? Fehlanzeige.

„awE naturalE“ ist aber kein Album aus einem Guss. Hier steht jeder Track für sich selbst ein – fast immer unter 3 Minuten, gern mit vertrackten Strukturen, nicht immer ist leicht zu erraten, wo der Vers aufgehört und der Chorus angefangen hat. Der Ton ist geerdet und instrumental, ohne bemüht authentisch sein zu wollen. Schräger Jazz ist genauso zu finden wie basslastiger Rap, die Beats flattern oder schleppen sich gern dahin. Stimmlich teilen sich Irons und Harris-White oft in lieblich/hoch und tief/aggressiv auf, etwas konventionell vielleicht, aber mit viel Spielraum in der Mitte. Von „Bitches“ und „Queens of the stoned age“ ist da die Rede, Rollen, die ebenso schnell angenommen wie abgelegt werden können. Spielerisch ist zwar auch der Sound, leicht und losgelöst klingt er aber eher selten. Meist schwingt da etwas Zähes oder Bedrohliches mit wie in sommerlicher Gewitterluft, Donnergrollen im Groove, im Bass, und dann Besänftigendes in der Stimme, wie warme Regentropfen: „To love you is to know you / and to know you / is to love you.”

Egal ist, dass das Duo in Auftritt und Aufmachung avantgardistisch rüberkommt. Schon das lautsprecherische THEE im Bandnamen. Da fällt einem Thomas Mann ein. Der wollte sich zeitlebens nicht von den damaligen Rechtschreibreformatoren überzeugen lassen, seine Aufgusstrünke„Tee“ zu nennen, sondern trank weiter seinen altmodischen „Thee“ und wartete in mancherlei Hinsicht einfach mal ab.

Seit  27. März 2012 im Handel.

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Anspieltipps:
> QueenS
> Deeper
> Enchantruss

Diskographie:
> Awe Naturala (2012)

Ähnliche Künstler:
> Shabazz Palaces
> Erykah Badu
> Ursula Rucker
> Janelle Monae
> Yo Majesty!