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The White Birch – Come Up For Air (2006)
The White Birch – Come Up For Air (2006)

The White Birch – Come Up For Air (2006)

9.0

Genre: ,
Label: Glitterhouse

Erstellt am: 19.05.2006
Autor:
Erstellt am: 19.05.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Bald ist wieder Winter!!!

Kaum hab ich es übers Herz gebracht, die wunderschön langsamen Savoy Grand für einige Wochen aus dem Player zu verbannen, schneit die nächste, genauso beruhigende Schlaftablette ins Haus und verzögert glücklicherweise mein Frühlingserwachen. Ich bin dankbar.

Es ist Frühling und kommt gar noch schlimmer: Der Sommer naht. Meine Wenigkeit bekommt’s tatsächlich langsam mit der Angst zu tun ob all der aufkommenden Hektik: Pflanzen spriessen unaufhaltsam, dauerndes Niesen dank Blütenstaub, Insekten fliegen ständig ins Auge, Leute stressen in Flipflops von einer Badeanstalt zur nächsten, Sonnenbrand, Gestank, optische Überstimulation aufgrund all der Farben und tiefen Ausschnitte, man schwitzt ohne Sport zu treiben, kann nicht schlafen wegen der Hitze und wird trotz Sonnenbrille geblendet: Supersache so ein Sommer. Ich wehre mich vehement, ja beinahe trotzig gegen diese Entwicklung und freue mich bereits wieder auf die angenehme Jahreszeit, freue mich auf Spaziergänge durch verschneite Landschaften und stolpernde Passanten, vor allem aber freue ich mich auf die Ruhe, die Kälte und die Dunkelheit. Die Mannen von The White Birch haben mit diesem sommerlichen Übel nicht so lange zu kämpfen wie unsereins, stammen sie doch aus dem wunderschönen Norwegen (… und meine Auswanderungspläne nehmen weiter Gestalt an). Entsprechend haben sie es verstanden, all das Schöne, Beruhigende und Gemütliche, was lange Nächte sowie tiefe Winter mit sich zu bringen wissen, musikalisch umzusetzen. Ich verspüre beinahe so etwas wie Stolz, wenn ich mit dieser Platte (vor allem dem Stück „Your Spain“) in den Kopfhörern durch Bern laufen und mir sicher sein kann, dass alle schneller unterwegs sind als ich. All die Anrempler von Anhängern des hektischen Lebenswandels, die sich wahrscheinlich grausam ärgern, dass da mitten in der Fussgängerzone einer so dermassen im Kriechgang dahinschlürft, nehm’ ich beinahe dankend in Kauf; haben all die schnellen Seelen doch vergessen, dass es nur die Zeit ist, die ihnen davonrennt (bzw. vor der sie davonrennen?). Gut, man kann der hier zelebrierten Langsam- sowie Lieblichkeit vorwerfen, dass sie die Wahrnehmung verfälscht und von wichtigeren Lebensinhalten ablenkt – da pfeif’ ich jedoch drauf. Lieber einen ganzen Tag (oder zwei) rumliegen oder langsam laufen und mit den White Birch’schen Melodien das Zeitgefühl und die Realität verlieren, als irgendwohin stressen, um Insekten ins Auge zu kriegen. Ja, ich empfehle die weisse Birke all denjenigen, die Gemütlichkeit zu schätzen wissen und Hektik verdammen, allen, die Freude an grundloser Traurigkeit, Sanftheit und Sorglosigkeit haben, allen, die Partystimmung und Heiterkeit als Armutszeugnis betrachten und allen, die sich mal Zeit nehmen sollten, um die traurig schöne Kraft der Langsamkeit kennen zu lernen.
„If I could cheat
The silence and its chemistry
Could I fill the gaps
Of silent traps
In my heart
Could I?”

Seit 3. April 2006 im Handel.

Anspieltipps: Your Spain (genauso wie alle anderen Stücke)
Trackliste: 1) Seer Believer; 2) Storm-Broken Tree; 3) Your Spain; 4) The White Birds; 5) Silent Love; 6) June; 7) Stand Over Me; 8) Small Hours; 9) We Are Not The Ones; 10) The Austronaut; 11) New Kingdom
Similar Artists: Savoy Grand, Sigur Ros

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Aus Oslo stammende Kapelle, bestehend aus Ola Fløttum (voc., git., piano, keys., Vio- und Mandoline), Ulf Rodge (ba.) und Hans Christian Almendinger (dr.), existiert seit gut 10 Jahren. Die Naturburschen veröffentlichen 1996 eine erste, selbst gepresste EP mit einer stolzen Auflage von 300 Stück. Man lässt sich Zeit in Norwegen, nicht nur musikalisch, sondern auch mit Veröffentlichungen. Ein gutes Album muss schliesslich reifen. Ausserdem hat Fløttum nebenbei noch das eine oder andere Projekt sowie eine Solokarriere am Laufen. So tüftelt Ola Fløttum mit seiner Mannschaft jeweils mehrere Jahre an neuem Material, entsprechend perfekt klingt das Ergebnis. Die Band hat zwischenzeitlich vor allem im deutschsprachigen Raum eine interessierte und begeisterte Zuhörerschaft gefunden, die sich dank „Come Up For Air“ noch vergrössern dürfte.

thewhitebirch
Diskographie:
> Self-Portrayal EP (1996)
> Left Hand EP (1997)
> People Now Human Beings (1998)
> Star Is Just A Sun (2002)
> Come Up For Air (2006)

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