Exit Music
The Unwinding Hours – The Unwinding Hours
The Unwinding Hours – The Unwinding Hours

The Unwinding Hours – The Unwinding Hours

9.0

Genre:
Label: Chemikal Underground

Erstellt am: 22.02.2010
Autor:
Erstellt am: 22.02.2010   Autor:

Neuerscheinungen

We can, we will, we must get out

„My Heart Has a Wish That You Would Not Go“: Craig B und Iain Cook sind wieder da und erfüllen Herzenswünsche. Sie selber werden nicht mehr daran geglaubt haben, dass sie dermassen vermisst wurden.

Was ist schlimmer als allein zu sein? Aereogramme haben davon Lieder gesungen. Sie haben geschrien und die leisen Töne beherrscht wie sonst keine andere Band. Das Herz gebrochen hat ihnen die Erfolglosigkeit. Unseres die Bekanntgabe, dass sie sich auflösen werden. Es gibt also Schlimmeres. Die Hälfte von Aereogramme kehrt mit dem zurück, was bisher sträflich ignoriert wurde. Das Urvertrauen in die Stärke der eigenen Musik wurde nicht genug erschüttert, um ganz aufzugeben. Das Herz, es schlägt wieder. Aereogramme waren eine verdammt talentierte, vielschichtige Band und sie hätten so viel mehr verdient gehabt. Es ist aber nicht etwa so, dass die Schotten nun wütend, frustriert oder enttäuscht klingen. Und vielleicht hat dieser unsägliche Kampf mit fehlender Anerkennung oder finanziellem Ertrag auch darin etwas Gutes, dass sich diese Musik nach wie vor niemandem anpasst. Nie wird versucht, auf Teufel komm raus etwas zu erzwingen. Dieser versteckt sich bekanntlich im Detail und scheint schon lange per Du mit Craig B sowie dieser einzigartigen Form fast schon filmischer Lautmalerei, die in „Child“ einen Höhepunkt findet. Iain Cook schrieb unlängst Kompositionen für Fernsehproduktionen und Craig B macht die besten Burger der Stadt. So kann es gehen.

Und wenn Glasgow in einem Song besonders gut herauszuhören ist, dann in „Knut“. „Tightrope“ kommt Aereogramme am nächsten und alles andere entfernt sich nicht allzu weit davon, aber doch genug, um als neuer Ansatz durchzugehen. The Unwinding Hours sind ein Duo, fokussieren mehr auf den spontanen, schlichten Moment als auf Bandidentität und nehmen sich selber damit den Druck weg. Wohin das führt? Wir werden sehen. Nein, sie werden sehen. Denn diese Platte wird genauso wenig den Durchbruch bringen wie „Sleep and Release“ es unbedingt hätte tun sollen. Wieso? Weil sich die Dinge nicht einfach von heute auf morgen ändern und sich diese Songs noch ein bisschen mehr zurückziehen. Man muss sich das nur lange genug einreden, vielleicht passiert dann ein Wunder. So vertraut und nahbar die Stimme von Craig B ist, so fantastisch ist sein Songwriting. Ihm gelingen Lieder wie „Annie Jane“, die in ihrer Verletzlichkeit genau die Dinge offenlegen, welche diesen Musikern bisher aus kommerzieller Sicht zum Verhängnis wurden: Die Tränen in die Augen treibend und trotzdem kein Hit fürs Radio. „I won’t regret you/ Or anything“. Die Stunden sind gezählt und das Herz, es schlägt wieder.

Seit  12. Februar 2010 im Handel.