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The Unwinding Hours – Afterlives
The Unwinding Hours – Afterlives

The Unwinding Hours – Afterlives

8.5

Genre:
Label: Chemikal Underground

Erstellt am: 29.08.2012
Autor:
Erstellt am: 29.08.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Kein Opium fürs Volk

Unbeschwertheit hat viele Gesichter. The Unwinding Hours versuchen es mit der Leichtigkeit, keine Band zu sein, sondern ein Projekt. Eines, das nie und nimmer ins gelobte Land führen wird.

Craig B. glaubt nicht an Gott. Er ging wieder an die Uni, um neben Soziologie auch Theologie zu studieren. Der Mann will wissen, wovon er nichts hält. Und er macht in „The Promised Land“ sein klarstes Statement: „I don’t see your promised land/ This one life is all I have/ It’s a world I’ll call my own“. Darum geht es auf „Afterlives“ – um das, was morgen noch von dem bleibt, was wir unser Leben nennen. Oder unsere Religion. Craig B. trennt diese beiden Begriffe strikte voneinander. „As my own history burns“. Nicht nur wegen des mehrdeutigen Cartoon-Videos ist „The Right to Know“ eines der Kernstücke auf diesem Album. Es liefert auch die Textzeile, die am meisten in einen mürrischen schottischen Kalender passen würde: „So don’t count me out/ I confess/ I will not leave this beauty to the idiots“. Der Kampf um Wissen. Er richtet sich gegen alle, die nichts hinterfragen wollen. Dabei geht es nicht nur um Religion. Eigentlich geht es eben vielmehr um das Leben. Das dritte Kernstück, ebenfalls durch ein wundervolles Video begleitet, ist „Wayward“. Es ist nicht nur der Hit der Platte, sondern auch wieder in seiner Botschaft klar: „Flesh and bone are all I have left here to give“. So eigensinnig beide Seiten scheinen mögen, so frei ist Craig B. heute in seiner Kunst. Und genau da liegt der Unterschied.

Bleibt natürlich noch „Say My Name“, das heimliche Lieblingslied für alle, die auf dem Debüt am liebsten zu „Annie Jane“ ins dunkle Meer abgetaucht sind. Nur dass es diesmal der Nachthimmel ist. Im Gegensatz zur ersten Platte haben Craig B. und Iain Cook mehr Tempo zugelassen, mehr Pop. Wer aber bei Aereogramme schon richtig hingehört hat, kann nicht abstreiten, dass die beiden bereits früher ein gutes Händchen für grosse Melodien hatten. Ein bisschen Pop war da schon immer. Und ein bisschen näher an Aereogramme als sein Vorgänger ist „Afterlives“ damit auch. Iain Cook experimentiert ausserdem mehr mit Elektronik. Besonders in „Skin On Skin“ und seinem Nebenprojekt Churches, das mit „Lies“ bereits seinen ersten Hit veröffentlicht hat. Er produziert, macht Projekte und schreibt Musik für Dokumentationen. Er hat seine Nischen gefunden. Eine davon ist The Unwinding Hours. Es ist keine Band, aber „Afterlives“ ein Album. Ein hervorragendes. The Unwinding Hours bleiben dabei als Menschen bescheiden, sie sind nun ihre eigenen Berater und ob Pech oder Glück spielt keine Rolle mehr. Diese Musik lebt davon, dass die grosse Masse sie ignoriert.

Seit  24. August 2012 im Handel.