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The Tallest Man On Earth – Wild Hunt
The Tallest Man On Earth – Wild Hunt

The Tallest Man On Earth – Wild Hunt

9.0

Genre: ,
Label: Dead Oceans

Erstellt am: 19.04.2010
Autor:
Erstellt am: 19.04.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Hoch zu Ross

The Tallest Man On Earth setzt sich an Konzerten selten hin. Und ich vermute mal, dass das nicht nur die Angst ist, eventuell nicht mehr der Grösste zu sein. Seine Musik ist derart treibend wie zurzeit kaum etwas in der weitläufigen Musiklandschaft.

Der gemächlichste Moment auf „Wild Hunt“ herrscht ganz am Anfang, als die Gitarre allein eine dumpfe Melodie spielt. Bereits nach zehn Sekunden setzt das Banjo ein, dann die Stimme und der gemütliche und seelenruhige Abend ist vorüber. Auch wenn man in erster Linie nicht auf die Lyrics achtet, fühlt man sich gezwungen, Kristian Matsson zuzuhören. Diesen spürbaren Drang singen zu müssen, kenne ich heutzutage nur von Okkervil Rivers Will Sheff und Daniel Johnston.

The Tallest Man On Earth ist von einer solchen Rastlosigkeit durchtrieben, seine Songs zu spielen, dass der neue Titel „Wild Hunt“ im Vergleich zu „Shallow Grave“ dem Bild des jagenden und umherziehenden Spielmusikanten einiges näher kommt. Ausser dem wehmütigen letzten Stück „Kids on the Run“, das von einer Rarität von Klavier begleitet wird und Matsson Stimme einlädt, sich dem sehnsüchtigen Pop anzupassen, hört man grundsätzlich nur die Gitarre und den sich überschlagenden, verzweifelten und furchtbar nostalgischen Gesang. So hat sich auch in den Songs nicht viel geändert, die Produktion – trotz Wechsel zum aufkomenden Indie-Label Dead Oceans – wurde entsprechend in Lo-fi beibehalten.

Das atemberaubend schöne zweite Stück „Burden of Tomorrow“ zeigt die Genialität von Matsson am allerbesten. Er scheint ein riesiges Repertoire an Melodien für Songs und Gefühle zu haben, die alle bloss mit Gitarre und Stimme zu spielen sind und auf diese Weise den grössten Effekt haben. Nur kleine Kompromisse scheint er einzugehen: Nach dem kurzen Pianoklimpern in „Wild Hunt“ hört man zum Ende des Stücks einen Moment lang einen wirksamen Bass. Matsson macht nicht mehr als nötig, aber dann in Perfektion.

Nach dem lässig-schlurfenden, aber äusserst gefühlvollen „You’re Going Back“ folgt mit „The Drying of the Lawns“ ein weiteres Glanzstück. Leicht schief beginnt die Gitarre, mehr gesprochen und eine Stufe tiefer (und ausnahmsweise weniger krächzig) steigt die Stimme mit ein.  Textzeilen wie „I’m Leaving Because You Don’t Feel What You’re Dreaming of“ sind schönster zeitloser Minnegesang, der mal prahlerisch, mal untergeben, aber immer frisch daherkommt und nie droht langweilig zu werden.

In der vorzüglichen Single „King of Spain“ macht sich der Troubadour gleich zum König. Das Bild des reisenden Riesen, der über alle Weltteile Bescheid weiss –  als alles noch ein wenig näher beieinander lag, aber schwerer zu erreichen war – zieht sich über das ganze Album durch. Ich hoffe, dass ihr euch mit dieser erneuten Empfehlung endlich hinsetzt und dem Tallest Man On Earth für eine Weile zuhört. Habt die Grösse!

Seit  13. April 2010 im Handel.

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Anspieltipps:
> The Wild Hunt
> Burden of Tomorrow
> The Drying of the Lawns
> King of Spain

Diskographie:
> The Tallest Man On Earth EP (2006)
> Shallow Grave (2008)
> Wild Hunt (2010)

Ähnliche Künstler:
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> Horse Feathers
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