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The Strokes – First Impressions Of Earth (2005)
The Strokes – First Impressions Of Earth (2005)

The Strokes – First Impressions Of Earth (2005)

9.0

Genre: ,
Label: RCA

Erstellt am: 12.01.2006
Autor:
Erstellt am: 12.01.2006   Autor:

Neuerscheinungen

…und wenn das so weitergeht?

Wie man es so zu machen pflegt, nachdem man beinahe das Jahrhundert-Debut-Album veröffentlicht und mit dem Zweitling eigentlich den Erstling noch getoppt hat (obwohl es gemeinhin als das schlechtere von beiden zu gelten hatte): Sich mit dem dritten Wurf elegant weg von den beiden erstgenannten entfernen und dies nicht bloss zweidimensional, sondern gleich richtig im räumlichen Sinne, inklusive der schwer zu nehmenden Levels nach ganz oben!
Dieser schicke Haufen rund um Julian Casablancas wird erneut nicht – und das wiederum nur zum Glück – dem gerecht, was die Medien doch schon immer meinten über die New Yorker berichten zu können; selbstverständlich fern ab des eigentlichen Wissens darüber und darum.
Fragt ihr mich, der ich in der Tat ein ebenso Unwissender bin: The Strokes waren nie einfach nur hype oder ein ebensolcher, sie waren halt einfach saugut und kreativ zugleich und kurzerhand all das von Beginn weg. Kreativ meint das, was so ziemlich allen der heutigen VIVA- und MTV-Sternchen abgeht und zwar gründlich – ihr seid informiert, denk‘ ich. Naja, wenigstens geht bei denen überhaupt noch was ab, ganz tatsächlich.
Alors, „First Impressions Of Earth“ ist das eigentlich Thema dieses kleinen – kaum adäquaten – Berichtleins. An und für sich nicht wirklich ein so schwieriges Thema, wäre es denn nicht so komplex, ausgefeilt und wohl überlegt, nahezu perfekt konstruiert. Ich bin beinahe versucht, mich mit folgender Floskel – euch schlicht und einfach abspeissend – gänzlich zu drücken: The Strokes machen auf ihrem dritten Album alles anders, sind dabei nach wie vor an der Spitze und unverkennbar zugleich. Hülfe das? Ich kann versuchen, diese Krücke auszubauen, um dabei kläglich zu scheitern. Obwohl ich mich nicht, wie andere desselben Schlages, am Reminiszentenauffindungswettbewerb bezüglich die einzelnen Songs von „First Impressions Of Earth“ beteiligen möchte, kann ich konstatieren, dass es schon immer so war und die Band auch nie etwas anderes behauptet hat: Man nehme einem Gefallendes und mache daraus selbst etwas neu anmutendes, allenfalls noch schöneres (und darin sind sie die amtierenden Meister). Die einen tun’s ganz bewusst – z.B. The Strokes – die anderen machen’s unterbewusst und die noch anderen checken gar nichts. Es ist eben grad‘ die Qualität sowie die Unverkennbarkeit, wie die New Yorker sich in einem viel bearbeiteten Musik-Genre bewegen und sich damit schlicht zu etwas Einzigartigem pflegen.
„First Impressions Of Earth“ ist die bis dato vielseitigste (weg vom früher durchwegs vorherrschenden Achtelgeschrammel), gitarrenlastigste, best produzierteste (und gleicherhand nicht überproduziert), mit den tollsten Sounds versehendste und unterschiedlichst klingend gemixte Platte von The Strokes.
Mit nur gerade drei aus 14 Songs, die ich verdammt mutig als tendenziell vernachlässigbar bezeichnen möchte (und ich werd‘ mich hüten, diese hier zu nennen) und dem glasklaren, absolut stilsicheren und versierten Gesang eines sich noch immer eher pessimistisch gebenden Julian Casablancas (und ja, manchmal erinnert er mich heute – ohne eben diese Effekthascherei auf der Stimme – wohligerweise an den Bono Vox der stimmlich besseren Tage) beschreiten sie neue Pfade, wie sie wenigstens für mein Empfinden richtiger und zukunftsfähiger nicht sein könnten. Umwerfend!
Mit diesem Stück Musik heben sich The Strokes verdienterweise aus dem Musiksumpf ihrer Nachahmer und Wellenmitreiter; trenngenau wie die Spreu vom Weizen. Und euch, ihr lieben Leute, möchte ich noch diesen Rat mit in den durch die verfluchte Ökonomie erzeugten Alltagsstress mitgeben: „First Impressions Of Earth“ ist, wie bereits erwähnt, besser noch als alles andere zuvor (benötigt so dann auch nirgendwo eine unsichtbare Handkrücke), nur erschliesst sich einem diese Erkenntnis nicht auf Anhieb, so wie früher und früher war ‚mal, kann mich mal…

Seit 30. Dezember 2005 im Handel.

Anspieltipps: You Only Live Once, Juicebox, Heart In A Cage, Ize Of The World, Ask Me Anything
Trackliste: 1) You Only Live Once; 2) Juicebox; 3) Heart In A Cage; 4) Razorbalde; 5) On The Other Side; 6) Vision Of Division; 7) Ask Me Anything; 8) Electricityscape; 9) Killing Lies; 10) Fear Of Sleep; 11) 15 Minutes; 12) Ize Of The World; 13) Evening Sun; 14) Red Light
similar artists: The Cars, The Velvet Underground, Iggy Pop mit und ohne The Stooges

Bio:
Ein sogenannter und regelrechter Hype (nicht meine Meinung) bahnt sich scheinbar unaufhaltsam im Laufe des Jahres 2001 an. The Strokes aus New York (USA) – etwas unspektakulärer: Fünf Buben anfangs zwanzig – verändern nachhaltig die Musikwelt, indem sie die bereits viel beachtete Debut EP „The Modern Age“ mit dem wohl heute allseits bekannten Debut full-length „Is This It“ (ohne Fragezeichen) mehr als nur andeutungsweise in den Schatten stellen. Doch die Befürchtungen des schon wieder „Next Big Thing“ bewahrheiten sich in keinster Weise. Obwohl von den Medien nicht zugelassen (und zu letzt scheint gar die Band daran zu zweifeln) gelingt ihnen mit der zweiten CD-Veröffentlichung „Room On Fire“ das, was nur wenige nach einem schlicht glorreichen Debut passiert: Sie vermögen den Level zu halten und glänzen dabei scheinbar in Leichtigkeit. Die Band, Fabrizio Moretti am Schlagzeug, Nick Valensi (Gitarre), Nikolai Fraiture (Bass), Albert Hammond Jr. (Gitarre) sowie Julian Casablancas (Gesang und mehrheitlich Hauptsongwriting) will denn auch nicht viel mehr, denn für den ganzen Rest ihres Lebens Platten aufnehmen. Mit „First Impressions On Earth“ beweisen sie ein weiteres Mal, dass wir alle darüber sehr erfreut sein sollten.
Diskographie:
> The Modern Age [EP] (2001)
> Is This It (2001)
> Room On Fire (2003)
> First Impressions Of Earth (2005)