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The Streets – The Hardest Way To Make An Easy Living
The Streets – The Hardest Way To Make An Easy Living

The Streets – The Hardest Way To Make An Easy Living

8.0

Genre:
Label: 679 Recordings

Erstellt am: 10.05.2006
Autor:
Erstellt am: 10.05.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Wenn die Strasse zum Boulevard wird

Was tut jemand wie Mike Skinner, nachdem er es weg von einem Loch in Nord-London und einem Job bei einer Fast Food Kette hin zum Rolls Royce-Besitzer und auf die Titelblätter der einschlägigen britischen Medien geschafft hat? Er macht weiterhin gute Musik.
Auf den ersten Blick scheint Mike Skinner massentauglicher geworden zu sein. Auf seinem neuen Album „The Hardest Way…“ ist weniger von den ebenso unkonventionellen wie begeisternden 2-Step Beats zu hören, dafür mehr R’n’B- und Hiphop-konforme Bässe und Gesänge. Doch wer Mike Skinner einmal liebt, wird wegen „The Hardest Way…“ kaum davon ablassen.
Vom Jungen, der es von der Strasse zum Millionär geschafft hat, war während der letzten zwei Jahren das eine oder andere Skandälchen zu lesen (da wären zum Beispiel ein grosser Haufen verlorener Wetten oder die Fahrt mit dem Ferrari durch Las Vegas ohne Führerschein). Mit entwaffnender Ehrlichkeit berichtet Mike Skinner auf seinem neuen Album vom ungewohnten Dasein als Popstar, über die neuen Möglichkeiten aufgrund bisher nie gekannten Reichtums und räumt gleichzeitig mit althergebrachten Klischees des Popstar-Daseins auf („throwing the TV out the window is nothing clear of weak clichee“). Seine Songs glänzen durch ausgezeichnetes Storytelling, intelligenten Witz und Mike Skinners aussergewöhnliche Beobachtungsgabe. Im Titeltrack erklärt er das Musikbusiness und wie man sich mit Wetten ein kleines Vermögen schafft („start with a big fortune/and lose it till it’s a small fortune“). Herrliche Selbstironie und ganz nebenbei genau wie der Rest des Albums ein absolut nützlicher Crash Course in Sachen Cockney English. Die erste Singleauskopplung „When You Wasn’t Famous“ erzählt die Geschichte einer Nacht mit einem englischen Popsternchen, viel Sex und einem Haufen Crack, Skinners Ungläubigkeit am Morgen danach über die Geschehnisse der letzten Nacht und darüber, dass das unbekannte Objekt der Begierde nach dieser Nacht, verbracht mit Sex und Drogen, am TV bei cd.uk so amazing aussieht. Das Intro ist eine Anspielung an die Moss/Doherty-Generation: „See, the thing that’s got it all fucked up now is camera phones/how the hell am I supposed to be able to do a line in front of complete strangers/when I know they’ve all got cameras?”. Das Leben als Popstar ist hart.
Ebenfalls ein Highlight ist Mike Skinners Erfindung der „antiklerikalen Gospelhymne“. Kaum eine Hommage an einen verstorbenen Vater kommt so rührend daher und rast trotz geklauter Klaviermelodie von „Let It Be“ so nah am Kitsch vorbei. Apropos Hommage: Wirklich erstaunen dürfte es niemanden, dass Skinners Beitrag zu Notorious B.I.Gs post-mortem Album nicht angenommen wurde, wird Skinner doch nicht müde, im Refrain des sich um die schwierige Beziehung zu den USA handelnden „Two Nations“ zu betonen, dass „we were the ones who invented the language“.
Zum Schluss ein erklärendes Zitat aus Skinners Sprücheschmiede: “So schwer es auch war, ich wusste, das Unterhaltsamste wäre es, einfach die Wahrheit zu sagen. Verglichen mit der Wirklichkeit würde jede ausgedachte Geschichte einfach banal wirken. Wenn ich mir so etwas Verrücktes ausdenken würde, würde es mir keiner glauben.“
Seit 7. April 2006 im Handel.

Anspieltipps: When You Wasn’t Famous; Never Went To Church, Two Nations
Trackliste: 1)Pranging Out; 2) War Of The Sexes; 3) The Hardest Way To Make An Easy Living; 4) All Goes Out The Window; 5) Memento Mori; 6) Can’t Con An Honest John; 7) When You Wasn’t Famous; 8) Never Went To Church; 9) Hotel Expressionism; 10) Two Nations; 11) Fake Streets Hats
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Bio:

Mike Skinner aka The Streets wurde 1978 in Birmingham geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Birmingham und Nord London. Während seiner frühen Jugend interessierte er sich vor allem für Hiphop, House und Jungle, mit 15 produzierte er bereits seine ersten eigenen Tracks und versuchte in den späten 90er-Jahren als Alternative zu seinem Job in einem Fast Food Restaurant ein eigenes Label zu lancieren. Das Label Locked On wurde Ende 2000 aufgrund seines Clubtracks „Has It Come To This?“ auf Skinner aufmerksam und veröffentlichte den Track im folgenden Jahr als Single. Es folgte 2002 der erste Longplayer „Original Pirate Material“, der in den britischen Medien frenetisch gefeiert wurde. Ähnlich euphorisch wurde der Nachfolger „A Grand Don’t Come For Free“ zwei Jahre später aufgenommen, das Album, mit dem Mike Skinner endgültig den Durchbruch schaffte und kommerziell erfolgreich wurde. „The Hardest Way To Make An Easy Living“ ist das neueste Album des als Retter des britischen Hiphops gefeierten Engländers.

 

Diskographie:
> Original Pirate Material (2002)
> A Grand Don’t Come For Free (2004)
> The Hardest Way To Make An Easy Living (2006)