Exit Music
The Slow Show – White Water
The Slow Show – White Water

The Slow Show – White Water

9.0

Genre: ,
Label: Haldern Pop Recordings

Erstellt am: 03.04.2015
Autor:
Erstellt am: 03.04.2015   Autor:

Rezensionen

Hoffnung für „Wet Sunday Afternoons“

The Slow Show ist nicht nur der Name der Band sondern auch Programm. Die Engländer geben sich ruhig und langsam. Da hört es aber nicht einfach auf, im Gegenteil, da beginnt es erst. Die melancholische Harmonie.

Das Debütalbum von The Slow Show heisst White Water und wurde als Geheimtipp gehandelt. Kein Wunder, nachdem man Brother zu hören bekam, haben die meisten Blut geleckt. Brother erschien als Single und Sänger Rob Goodwin hat auch schon erwähnt, dass sie Mühe hätten, die hohen Produktionskosten für das Album zusammenzukriegen. Gut haben sie gespart und sind nicht Kompromisse eingegangen. Was die Band aus Manchester schuf ist erstaunlich. Streicher und Bläser sind zu hören, Klavier, Gitarre oder ein subtiles Schlagzeug. In Dresden, Opener von White Water empfängt einem sogar einen Chor. Gänsehaut. Dunkle Geschichten aus Deutschlands Dresden. Bariton Goodwin ergänzt das Spiel mit den Klängen beeindruckend.

Melancholiker werdens lieben, White Water ist extrem gefühlvoll und verletzlich und am tiefsten Punkt wirft Goodwin einem ein Seil in die Höhle mit dem man sich zurück ans Sonnenlicht kämpfen kann.  Long Way Home ist so ein Stück. In Bloodline thematisiert Goodwin ein adoptiertes Familienmitglied auf der Suche nach seinen Wurzeln. Die Bläser ertönen mit einem Bouquet von Hoffnung. Eines der stärksten Stücke des Albums. Die erwähnten Streicher kommen in Testing und Bad Day zum Zug und zur Geltung. The Slow Show kreiiert ein Orchester der bedrückten Harmonie. Bedrückend und so wunderschön zugleich. Es fühlt sich an wie „guter Schmerz“. Wer zu fest in einem Gefühlskarussell gefangen ist, wird mit Augustine abgeholt und Stück für Stück wieder aufgebaut. Die Lieder ergänzen sich unglaublich gut, nie ist es zu düster, nie ist es zu harmonisch. Eben eine perfekte Mischung. White Water ist eines dieser Alben das man von vorne nach hinten hören kann und eine Reise der Gefühle durchlebt. Am Ende weint man, einerseits weil man froh ist, dass es zu Ende ist, anderseits gerade weil es schon zu Ende ist. God Only Knows macht den Schluss und Goodwin singt übers eigene Altwerden und das Altwerden der Liebsten.

Unglaublich, dieses Stück Melancholie. Wer sich gerne hintersinnt, wer gerne grübelt und diese „Wet Sunday Afternoons“ leicht getrübt verbringt, muss es sich zu Gemüte führen.

Leicht wird es nicht für The Slow Show, ein Album wie White Water noch zu toppen. Aber was ist schon leicht?

 

Seit 06. März 2015 im Handel erhältlich.