Exit Music
The Samuel Jackson Five – The Samuel Jackson Five
The Samuel Jackson Five – The Samuel Jackson Five

The Samuel Jackson Five – The Samuel Jackson Five

9.0

Genre:
Label: Denovali

Erstellt am: 12.05.2012
Autor:
Erstellt am: 12.05.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Weltmusik

Samuel Jackson? Jackson Five? Aus dem Bandnamen der fünf Norweger wird man jedenfalls nicht schlau. Aus deren Musik beim ersten Hinhören genau sowenig. Die schiere Kreativität und Experimentierfreudigkeit dieser Genies ist jedoch ein wahrer Genuss.

Die ursprünglich aus der Drum’n’Bass-Szene stammenden Multiinstumentalisten spielen auf ihrem vierten Album einfach und zusammenfassend ausgedrückt grösstenteils instrumentalen, mit Elektronik, Bläsern und unzähligen weiteren Instrumenten verfeinerten Rock, wagen sich jedoch auch an das häufig kritisierte Stilmittel des Gesangs. Um das Genre genauer zu beschreiben könnte man von Prog-, Jazz-, Indie-, Fusion-, Ambient- oder einfach: Postrock, sprechen. Nicht wirklich nützlich. Dass Skandinavien als Brutstätte der Kreativität gilt, ist unter versierten Musikhörern bekannt; Samuel Jackson 5 demonstrieren hier eindrücklich, dass Postrock alles andere als tot ist. Ich wage beinahe jetzt schon vom Album des Jahres zu sprechen. Das Werk bietet alles, was der interessierte, anspruchsvolle, international gewandte (Post-)Rockkonsument wünscht (sozusagen die musikalische Eierlegendewollmilchsau).

Es gelingt, weltweit Referenzen zu finden, welche in irgend einer Spielweise auf dem Album auftauchen. Ich versuche nun mal mittels einer Liste, einzelne Songs den jeweiligen Referenzen zuzuordnen, um den weltweiten Bezug des Albums zu demonstrieren, wobei Mehrfachnennungen nicht ausgeschlossen werden können (der Leser ist nun beinahe gezwungen, sich das Album anzuschaffen, um hier folgen zu können, aber es sei betont: die Investition lohnt sich sicherlich mehr als der Kauf von Geschichtsbuch-Aktien…)

rhythmische Komplexität sowie soliden Rock à la Mars Volta oder The Fall of Troy (USA)
    –> Electric Crayons; Ten Crept in; …And Then We Met the Locals

schwebend-sphärische Klangflächen wie Glittering Blackness, Fall (KR), Mono oder Presence of Soul (JP)
    –> Mockba; What Floats Her Boat

Tempo, Präzision und Euphorie wie the Cast of Cheers (IE) oder Minnaars (NL)
    –> Ten Crept in, …And Then We Met the Locals

Ungemütliches, gar Irrsinniges mit Hang zum Jazz wie Sincabeza oder 37500 Yens (FR)
    –> Race to the Self-destruction Button; A Perennial Candidate; …And Then We Met the Locals

skandinavisch-düster-verspielte Schönheit wie PG.Lost, EF, Immanu El (SE) oder Efterklang (DK)
    –> Mockba; A Perennial Candidate; …And Then We Met the Locals

bis hin zu spielerisch-freundlichen, instrumentell wie auch klanglich experimentellen Passagen wie man sie von Björk, Sigur Ros (IS) oder Yann Tiersen (FR) kennt
    –> Never-ending Now; Radio Garagin; Cow Entophy

Ob jetzt diese kontinentale Zuteilung nun Sinn macht, sei dahingestellt, jedenfalls ist „SJ5“ ein an Vielfalt, Kreativität, Innovation und Hörgenuss kaum zu überbietendes Kunstwerk. Der Song „…And Then We Met the Locals“ liefert sämtliche Qualitäten der Band in ungeheuerlich dichter Konzentration. Von angenehmer Ruhe über satten Rock, via rhythmischer Höchstleistung bis hin zu ausuferndem Acid-Jazz Gedudel, zurück zu Streichern und björk’schem Elfengesang. Schlicht genial. Und tatsächlich gelingt es SJ5 sogar, anhand der unglaublichen klanglichen Vielfalt beinahe undenkbar, so etwas wie einen roten Faden durchs Album zu ziehen. Die dezenten Zwischenstücke schmiegen sich perfekt ins organisierte Chaos, eine angenehme Spur Pop macht das Werk gar Ottonormalhörern zugänglich. Wer sich dieser Herausforderung nicht stellt, verpasst ein Musikerlebnis, das seinesgleichen sucht.

Seit  27. April 2012 im Handel.

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Diskographie
:
> Same Same, But Different (2004)
> Metronomicon Audio 2.0 Compilation (2005)
> Easily Misunderstood (2005)
> Goodbye Melody Mountain (2008)