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The Pains of Being Pure at Heart – Belong
The Pains of Being Pure at Heart – Belong

The Pains of Being Pure at Heart – Belong

9.0

Genre: ,
Label: PIAS

Erstellt am: 08.04.2011
Autor:
Erstellt am: 08.04.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Nächtliches Turteltäubeln

Wer schon immer mal wissen wollte, wie eine 45-minütige Variation von Springsteens „Born to Run“-Thematik auf atemberaubend hohem Niveau klingt, hat hier eine einmalige Chance. Und dies mit sattem Gitarren-Fuzz und ohne Clarence Clemons. Äusserst stilsicher wandelt die junge New Yorker Band The Pains of Being Pure At Heart auf dem schmalen Grat zwischen abgründigem Pathos und tiefer unschuldiger Empfindung.

Die im Moment gängige Veröffentlichungspolitik mit der Auskopplung einer kostenlosen Vorab-Single-MP3 im Web und dem Streaming des gesamten Albums vor der Veröffentlichung hat den angenehmen Nebeneffekt, dass einem beim eigentlichen Release-Date gewisse Songs schon wie gute alte Freunde vorkommen. Irgendwie seltsam… Während der letzten vier Wochen hat mich „Belong“  auf Schritt und Tritt begleitet, egal wohin ich ging. Und nun steht es in den Regalen.

Ich gebe zu, dieses Album trifft mich härter als ich erwartet habe. Das Debüt-Album war zwar ohne Zweifel erfrischend, aber irgendwie hat der Funken keinen Flächenbrand ausgelöst. The Pains of Being Pure At Heart war für mich einfach der damals aktuelle Hype.

Doch nun das neue Album. „Belong“ bietet zehn hochkarätige Songs, die sehr stark in sich geschlossen sind und eine Art Ring bilden. Obwohl die Tempi bei oberflächlichem Hören immer ähnlich schleppend sind und der Gesang leicht monoton vor sich hinschwebt, droht in keinem Moment die Langeweile, weil so viele Details auf die Entdeckung warten. Die Songs sind bis ins letzte Detail ausgearbeitet und man kann sich jedes Mal auf Elemente konzentrieren, die beim vorherigen Hördurchlauf untergegangen sind. Etwa so wie bei Mozart, bei dem unter der lieblichen Oberfläche unheimliche Reichtümer zu bergen sind, aber auch tiefste Abgründe lauern.

Für das umwerfende Klangbild des Albums sind nicht zuletzt Produzent und Mixer verantwortlich, deren langjährige Erfahrung dem Gesamtbild des Albums gut getan hat. Flood hat sich mit U2 und Depeche Mode goldene Sporen verdient und dieses Jahr mit PJ Harveys „Let England Shake“ bereits ein grossartiges Album mitinitiiert. Für das Mixing zeigt sich Alan Moulder verantwortlich, der für die Shoegaze-Klassiker von My Bloody Valentine und Ride an den Reglern sass, und hat dadurch die Alben mitgestaltet, die The Pains of Being Pure At Heart so stark verinnerlicht haben. Flood und Moulder schaffen es, dass das Album nicht wie ein Abklatsch der 90er-Shoegaze-Bands klingt, sondern zeitlos und dass trotz des hohen Pop-Faktors ein durchmischtes und aufregendes Klangbild entstand.

Nicht überall kam das Album gleich gut an. Neben Pitchfork, die dem Album das Prädikat „Best New Music“ verliehen, gab auch der NME zu reden, weil ein Rezensent das Album zerriss (Wertung 3/10), da es angeblich zu wenig stark sexuell aufgeladen, zu sehr Teenie-Probleme behandle und zu neutral sei. Wenn dies tatsächlich zutrifft, bleibt doch die Frage offen, ob es denn im Rock immer um Sex gehen muss, nur weil Lemmy, Jesse Hughes und Co. dieses Klischee in die Welt gesetzt haben? Muss sich der Hörer eines Popsongs in hermeneutischer Hinsicht eigentlich immer mit dem Sänger identifizieren? Muss Rock eigentlich provokant und stereotypische Männlichkeit protegieren? Ich glaube eher: Nein, nicht nur. The Pains of Being Pure at Heart besetzen ihre eigene Nische und das ist gut so, solange ein derart stimmiges Album dabei herauskommt.

In meinen Augen: Asexuell? Weinerlich? Harmlos? Kein bisschen. Sondern einfach nur grossartig.
Seit  25. März 2011 im Handel.

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Anspieltipps:
> Belong
> Heart in Your Heartbreak
> Anne With an E
> Too Tough

Diskographie:
> The Pains of Being Pure at Heart EP (2007)
> The Pains of Being Pure at Heart (2009)
> Higher Than The Stars (EP, 2009)
> Belong (2011)

Ähnliche Künstler: 
> My Bloody Valentine
> The Jesus & Mary Chain
> Ride
> Black Kids
> Smashing Pumpkins
> The Cure
> Cocteau Twins
> School of Seven Bells
> The Deoreciation Guild
> M83