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The Mountain Goats – The Life of the World to Come
The Mountain Goats – The Life of the World to Come

The Mountain Goats – The Life of the World to Come

9.0

Genre: , , ,
Label: 4AD

Erstellt am: 08.10.2009
Autor:
Erstellt am: 08.10.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Himmlisch

„The Life of the World to Come“ ist das bereits 17. Album (in 14 Jahren!) von The Mountain Goats. Die zwölf Songs tragen allesamt Namen von Bibelversen. Kreativer Kopf, Sänger und Gitarrist John Darnielle nutzt diese biblischen Stellen als Erzählrahmen für seine eigenen Geschichten, die oft mit viel Schmerz verbunden sind, aber auch sonnigen Optimismus versprühen.

Zugegeben, John Darnielle baut immer mal wieder einen seltsamen oder witzigen Songtitel in seine Alben ein. Bestes Beispiel dafür ist bestimmt „The Best Ever Death Metal Band in Denton“ vom Album „All Hail West Texas“. Doch auf dem neuen Album „The Life of the World to Come“ hat er nun gleich alle zwölf Titel mit beliebigen Bibelstellen versehen, was es einem nicht gerade einfach macht, sich die Songtitel zu merken, zumindest die richtigen Zahlen dazu. Ein Konzeptalbum also? Antworten könnte man am ehesten mit der Gegenfrage: Welches Album von John Darnielle ist denn schon konzeptlos? Lebensnahe, mit viel Weisheit, von Liebe und Schmerz durchflutete Songs, schrieb John Darnielle schon immer. Sie wird man auf jedem Mountain Goats Album finden und sie sind es, welche jedes ihrer Alben zu einem besonderen Vergnügen machen. John Darnielle zeigt viel  Liebe zum Detail und schreibt Songs, in die man sich oft nur allzu gut hinein fühlen kann.

Nach dem ersten Hördurchgang habe ich mir mal einige dieser Bibelstellen angeschaut. Nicht alle Songs nehmen direkt Bezug auf die jeweiligen Stellen, sondern greifen einfach dessen Thema neu auf und dienen John Darnielle als Erzählstruktur. Das gleiche Spiel wäre ziemlich sicher auch schon auf dem Album „The Sunset Tree“ von 2005 aufgegangen. Denn textlich und auch musikalisch erinnert das neue Album oft stark an jenes. Womit also ein weiteres kleines Meisterwerk das Licht der Welt erblickt hätte. „The Life of the World to Come“ gefällt bis auf maximal zwei kleine Durchhänger („Philippians 3:20-21“ und „Isaiah 45:23“) durchgehend.

Musikalisch ist aber nicht mehr unbedingt John Darnielle’s Lieblingsspielzeug, die akustische Gitarre, Hauptdarsteller. Auf „The Life of the World to Come“ übernimmt vor allem das Piano etwas Überhand („Genesis 30:3“, „Deuteronomy 2:10). John Darnielle greift ungewohnt oft in die Tasten und es gibt sogar einige Streicher zu hören, dank dem Gastmusiker Owen Pallett von Final Fantasy.

Richtig berührt hat mich das Album bereits beim zweiten Hördurchgang, als ich es raus in die Natur nahm, mir ein einsames Plätzchen suchte und mich ins taufrische Gras setzte, welches leise im Wind tanzte. Als ich auf den fast grünen See blickte und den steten Sonnenschein im Nacken spürte. Ab und zu düsten gelbe und weisse Schmetterlinge an mir vorbei und immer wieder stachen mir einige Texte von John Darnielle mitten ins Herz. Das traurigste Beispiel hierfür ist bestimmt „Matthew 25:21“, in dem John Darnielle den Krebstod einer geliebten Person beschreibt, aus seiner Sicht und mit der Erkenntnis, dass nichts einen auf eine solche Situation vorbereitet und man nur hoffen kann irgendwie bereit zu sein, um sich diesem schmerzhaften Moment zu stellen. „I hope we’re all in crash position when we hit“. Besser kann man es nicht ausdrücken. Traurig und schön zugleich. Zwei Eigenschaften, die das Leben immer wieder aufs Neue definiert und die auch „The Life of the World to Come“ perfekt beschreiben. Ein Album, welches die ganze Zeit über fesselt. Nebst den wunderbar ruhigen Piano Stücken „Genesis 30:3“ und „Deuteronomy 2:10“, dem düsteren Schlusssong „ Ezekiel 7 and the Permanent Efficacy of Grace“, gibt es auch sonnig eingängige Popperlen, wie zum Beispiel „Genesis 3:23“ oder das locker flockige „Romans 10:9“, eine Bibelstelle, die von John Darnielle auf den schönsten gemeinsamen Nenner gebracht wird: „If you will believe in your heart / And confess with your lips / Surely, you will be safe one day“.

Ein wahrlich göttliches Album.

Seit 2. Oktober 2009 im Handel.

Anspieltipps:
> Psalms 40:2
> Genesis 30:3
> Romans 10:9
> Matthew 25:21

Diskographie:
> Nine Black Poppies (1995)
> Zopilote Machine (1995)
> Nothing for Juice (1996)
> Full Force Galesburg (1997)
> Sweden (2000)
> The Coroner’s Gambit (2000)
> New Asian Cinema (2000)
> All Hail West Texas (2002)
> Bitter Melon Farm (2002)
> Ghana (2002)
> Protein Source of the Future…Now! (2002)
> Tallahassee (2002)
> We Shall All Be Healed (2004)
> The Sunset Tree (2005)
> Get Lonely (2006)
> Heretic Pride (2008)
> The Life of the World to Come (2009)

Ähnliche Künstler:
> The Extra Glenns
> Okkervil River
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