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The Mount Fuji Doomjazz Corporation – Egor
The Mount Fuji Doomjazz Corporation – Egor

The Mount Fuji Doomjazz Corporation – Egor

8.0

Genre: ,
Label: Denovali

Erstellt am: 10.03.2012
Autor:
Erstellt am: 10.03.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Jazz ist anders

Ein Live-Album soll es sein, mit Überlänge, aber ohne ablenkenden Applaus, Ansagen und Smalltalk mit dem Publikum, irgendwie auch ohne Songs? Diese Band hat sich darauf spezialisiert.

Wenn man auf verschrobene Musik steht, muss man die wenigen Doomjazz-Combos dieser Welt eigentlich lieben. Für ihre Kompromisslosigkeit und den Status am äussersten Rand von dem, was man noch Musik nennen möchte, vielleicht sogar darüber hinaus. The Mount Fuji Doomjazz Corporation, als Live- und Improvisations-Alter Ego geschaffen von einer Band namens, festhalten, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, spielen ihn auf dieser in Moskau aufgenommen Live-LP mit Bravour, Energie und auf allerhöchstem musikalischen Niveau.
Angesichts der Länge und der beachtenswerten Komplexität der vier Tracks könnte man fast behaupten, dass „Mount Fuji“ noch unzugänglicher sind als ihre wenigen Genrekollegen wie Bohren & Der Club of Gore. Gegen ähnliche Künstler nehmen sich die Niederländer sogar relativ biestig aus und haben ihre helle Freude daran, den Hörer mit sehr lauten und dissonanten Tönen in den Wahnsinn zu treiben. Wenn man sich dann einfach nur die Hände vors Gesicht schlägt und überlegt, ob das jetzt schlicht genial oder völlig sinnlos ist, ist das schlussendlich genau so egal wie die verdutzten Blicke der Nachbarn, wenn man mal wieder das Fenster versehentlich offen gelassen hat. Das kommt aber nicht von ungefähr, denn irgendwie verleitet „Egor“ dazu, ständig lauter zu drehen, man könnte ja irgendwas verpassen, irgendeine Dimension hinter dem, was man bereits erkennen kann, nicht hören.  Und das könnte sogar Fans durchgeknallter Jazz-Metal-Kollektive wie Yakuza gefallen.

Geviertelt ist dieses Album wahrscheinlich sowieso nur als Zugeständnis an das Vinyl-Format, denn von Songs sprechen wir hier verständlicherweise nicht. Deshalb ist es auch bei bestem Willen nicht möglich, ein Kapitel zum Reinhören zu nennen.  Dafür hat sich die Band dazu hinreissen lassen, allen Tracks russische Titel zu geben, die man aber nicht unbedingt verstehen muss, denn die Bedeutung bleibt auch bei einer Übersetzung im Dunkeln. Bis auf den letzten Abschnitt namens „Glas bricht“ natürlich, denn da geschieht genau das am Ende. Dieser seltsame Humor spricht auch aus der Musik und die ist irgendwie schon harte Arbeit. Aber selten hat es so viel Spaß gemacht, einfach nur dabei zuzuhören, wie ein Septett ohne Scheuklappen unsere Vorstellung von Musik mit diebischer Freude komplett demontiert. Besonders deshalb ist dieses Dokument soliden Wahnsinns ein wirklicher Glücksfall und für die Wagemutigen unter uns uneingeschränkt zu empfehlen.

Seit  23. März 2012 im Handel.

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Diskographie:

> The Mount Fuji Doomjazz Corporation (2006)
> Doomjazz Future Corpses (2007)
> Succubus (2009)
> Anthropomorphic (2011)

Ähnliche Künstler:

> The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble
> Bohren & Der Club Of Gore
> Earth
> Yakuza
> Sunn O)))
> Kodiak