Exit Music
The Hirsch Effekt – Holon: Anamnesis
The Hirsch Effekt – Holon: Anamnesis

The Hirsch Effekt – Holon: Anamnesis

9.0

Genre: , ,
Label: Midsummer Records

Erstellt am: 12.09.2012
Autor:
Erstellt am: 12.09.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Der Hartchor

Indierock und eine Harfe und Grindcore. Und eine Orgel und ein Chor und technischer Death Metal. Das war gerade Mal ein Song. The Hirsch Effekt sind wieder da, drei Hannoveraner, die sich vor zwei Jahren die ganze Musikwelt gepackt und im Schleudergang auseinander genommen haben. Haben nicht viele mitbekommen. Das muss sich dringend ändern.

Bei einem Interview mit einem Bielefelder Lokalsender konnte man vor einiger Zeit beobachten, wie The Hirsch Effekt einen absurden Spass daran hatten, mit anarchistischen Antworten die ebenso bedauerns- wie beneidenswerte Journalistin über weite Strecken hinters Licht zu führen. Aber zwischen Harry Belafonte-Coverbands und „Musik ohne Töne“ auf dem nächsten Album verbargen sich einige (vermutlich) eher ernst gemeinte Sätze, die schliesslich erklären, wie es zum Meisterwerk „Holon: Anamnesis“ kommen konnte: „Die Texte auf dem nächsten Album gehen ausschliesslich um eine in die Brüche gegangene Beziehung. Mir wird in einer Tour das Herz gebrochen und das muss ich irgendwo verarbeiten, damit die beiden sich auch mal mit mir über andere Themen unterhalten können. Denen geht das nämlich immer tierisch auf den Sack“.

Auf musikalischer Ebene sind The Hirsch Effekt noch orchestraler und bombastischer geworden. Das Trio hat es aufgegeben, in Fragmenten zu arbeiten, und entfernt sich damit noch ein Stückchen mehr vom typischen Grindcore. „Holon: Anamnesis“ schlägt einen deutlich metallischeren Ton an, als sein Vorgänger. Aber insgesamt gilt erneut: In eine gute Stunde Musik sind so viele herzzereißende, filigrane, brutale, aufwändige und schöne Töne verpackt, wie es nur geht. „Limerent“ stellt ein Santana-Gitarrensolo zwischen Grindcore-Gewitter und Doom-Riffs, „Absenz“ ist die melodischste Hymne der Bandgeschichte. Und immer wieder brechen gross angelegte orchestrale Sonnenstrahlen durch den Himmel, das Gesamtwerk wirkt so weltumspannend wie die besten Werke von Godspeed You! Black Emperor oder The Mars Volta. Und nachdem sich die grauen Wolken von „Ira“, einem gewaltigen Hassbrocken, verzogen haben, folgt mit „Datorie“ ein zu Tränen rührendes Lied vom Vermissen. „Und das, was mir hier so fehlt, ist ganz bestimmt nicht billig, sonst wärst du ja noch hier“.

The Hirsch Effekt meistern mit links eine dramatisch schwere Aufgabe, es stand einiges auf dem Spiel. Weil die Spur der Verwüstung, die ihr monströses Debüt hinterlassen hat, noch immer sichtbar ist. Weil das erste Mal „Holon: Hiberno“ ein Offenbarungserlebnis war, wie das erste Mal „OK Computer“ oder „Dark Side of the Moon“. Weil es nicht gerade schwer ist, die Band scheisse zu finden. Vor allem, wenn man Schwierigkeiten mit den kryptischen Texten hat, die man auf Deutsch eben nicht ignorieren kann. Wenn man harte Musik gar nicht mag, oder das Trio vorschnell in eine pubertäre Emo-Ecke schieben will. Ausreden sind für die meisten also schnell gefunden. Und für alle anderen haben sie dann „Holon: Anamnesis“ gemacht. Man muss es einfach mit ihren eigenen Worten sagen: „Wer sich jetzt noch umdreht, ist selber schuld!“.

Seit  31. August 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > Vertrieb

Anspieltipps:

> Absenz
> Ligaphob

Diskographie:
> Holon: Hiberno (2010)
> Holon: Anamnesis (2012)

Ähnliche Künstler:
> Arroyo
> Thoughts Paint The Sky
> Caleya
> The Dillinger Escape Plan
> The Mars Volta
> Godspeed You! Black Emperor
> ISIS
> Mount Logan