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The Gaslight Anthem – American Slang
The Gaslight Anthem – American Slang

The Gaslight Anthem – American Slang

9.0

Genre: , , ,
Label: SideOneDummy

Erstellt am: 13.07.2010
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Erstellt am: 13.07.2010   Autor:

Neuerscheinungen

The Shape of Punk to Stay

„American Slang“ ist das persönlichste und traurigste Album der Punkrocker aus New Jersey. Zugleich ist es wieder ein starkes Trotzdem, das sie dem Schmerz des Älterwerdens entgegensetzen.

Brian Fallon, Sänger von The Gaslight Anthem, wird nicht müde, die Geschichte vom Älterwerden zu erzählen. Und vielleicht weil sie jeder kennt, ist die Band heute eine der wenigen Konsens-Bands. Er findet die passenden Geschichten und die einfachen Worte für das schmerzliche Gefühl, das wohl alle hin und wieder verspüren. The Gaslight Anthem haben nicht die Absicht, die Welt zu verändern. Und Gesellschaftskritik ist hier höchstens zwischen den Liedzeilen zu lesen. Das Songwriting ist viel eher vom schlechten Gewissen Brian Fallons angetrieben. Zweifellos eine Eigenart, die ihn mit Mike Ness, dem Sänger der Orange County Punk-Band Social Distortion verbindet. Fallon berichtet von seiner Jugendliebe, durchgetanzten Nächten und den Strassen New Yorks. Mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass diese und weitere Eindrücke in ihrer Bedingungslosigkeit nicht mehr wiederholt werden können, starten The Gaslight Anthem den Gang in die Offensive. Und so ist „American Slang“ von ebenso grosser Intensität wie das Vorgänger-Album „The 59’ Sound“, obwohl man sich dessen zunächst nicht so ganz sicher ist. Man denkt sich vielleicht auch, dass das für die Lebenserwartung von Fallon nicht unbedingt zuträglich wäre. Dass man nach ein paar Durchläufen eines Besseren belehrt wird, nimmt man dann aber doch gerne in Kauf.
Obwohl die Band von Weltverbesserungsgedanken absieht, ist man durchaus selbstbewusst. „Wir wollen mehr als einfach nur eine Fussnote in der Musikgeschichte sein“, sagt Brian Fallon. Seine Band geht auf „American Slang“ den Schritt in die richtige Richtung, das heisst in die mehr oder weniger gleiche Richtung wie zuvor. Man konzentriert sich glücklicherweise auf die wirklich wichtigen Dinge. Der Sound klingt frisch wie eh und je und die Songs wirken spontan und ehrlich. Unter der Führung von Fallon wird erneut ein Feuerwerk an Melodien gestartet. Vor lauter Melodieseligkeit darf man sich einen der besten Hooks („Well, everybody’s cold / Who’s gonna keep my baby warm / When everybody goes?“) sogar für eine Bridge aufheben. Obwohl das Kollektiv aus New Jersey seine vielfältigen Einflüsse durchaus offen legt und im Vergleich zum Vorgänger gar noch verfeinert hat, ist das Album überaus konsistent. Im geradlinigen „Stay Lucky“ greifen die Gitarrenlinien so selbstverständlich ineinander wie in den besten Tagen von Hot Water Music. Und mit „The Queen of Lower Chelsea“ steht ein Song im Mittelpunkt, in welchem die Cure-Einflüsse so stark hervorgehoben werden wie nie zuvor. Trotzdem ist „American Slang“, obwohl eher poppiger als „The 59’ Sound“, zumindest bezüglich Songstruktur wieder eher am Punk orientiert. Bis zur nächsten Ruhepause muss man sich bis zum Schlusstrack gedulden. Zuvor darf man einige Kracher über sich ergehen lassen. Etwa das grandiose „The Spirit of Jazz“ mit seinen sehnsüchtigen Background-Chören, in welchem sich die Band nochmals in eine Euphorie spielt und die Jugendzeit ein letztes Mal heraufbeschwört. Der total entschleunigte Schlusssong wirkt dann wie der endgültige Abgesang auf ebenjene Zeit: „But I am older now, and we did it when we were young.“

Seit 18. Juni 2010 im Handel.

Anspieltipps:
> Bring It On
> The Queen of Lower Chelsea
> The Spirit of Jazz
> We Did It When We Were Young

Diskographie:
> Sink Or Swim (2007)
> The 59’ Sound (2008)
> American Slang (2010)

Ähnliche Künstler:
> Favez
> Hot Water Music
> The Replacements
> Social Distortion
> Bruce Springsteen
> The Hold Steady
> The Clash
> Pearl Jam
> The Cure