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The Fabulous Dance Machine – Live in Willisau

The Fabulous Dance Machine – Live in Willisau

7.0

Genre: , ,
Label: Everest Records

Erstellt am: 26.02.2009
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Erstellt am: 26.02.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Die Schweiz zeigt Zähne

Einen „Schweizer Stil“ der eher experimentellen Musik könnte man sich aus den beiden Bands Stimmhorn und The Young Gods zusammensetzen. Beide haben etwas im Sound, das man als helvetisch bezeichnen kann: Gesang, Alphörner und Akkordeon bei den einen, Sprachmix und ein Album, welches eigens für die Expo02 gemacht wurde, bei den anderen. The Fabulous Dance Machine sind zwischen diesen beiden Acts einzuordnen.
Obwohl viele der Musiker und Gastmusiker eigentlich im Jazz heimisch sind, hat die Musik teilweise schon etwas vom Drone: Ein düsteres Brummeln zieht sich als Fundament durch das ganze Album. Darauf gebaut werden in den sieben Tracks, die lediglich mit den Nummern in Englisch (also „First“, „Second“, „Third“, etc.) betitelt sind, die verschiedensten Soundgebilde, mit Ausflügen zum Industrial, Drum’n’Bass, Breakbeat und ähnlichem. Dabei wurde das Publikum dieses Konzertes am Jazzfestival Willisau nicht mit Samthandschuhen angefasst. Der Sound ist grob und sperrig, düster und hypnotisch.

Wo auf ausgefeilte Tracktitel verzichtet wurde, findet man dennoch eine Dramaturgie, also einen Aufbau und ein Heranführen an den Sound. Man wird nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern auf das eingestimmt, was später noch kommen mag. Diese Aufgabe erfüllt der erste Track „First“, beginnend mit Gesang und sich aufschaukelnden Drums. Man kann es sich vorstellen, wie es am Konzert am Jazzfestival Willisau gewesen war: Nach dem ersten Stück waren die Weichen gestellt und diejenigen, denen diese Art von Musik nicht zusagte, haben wohl das Weite gesucht.

„Second“ beginnt mit einem eigenartigen Sample von einer Mundart-Märchenkasette, welches von einem wummernden Beat und einem verzerrtem Bass niedergestampft wird. Die gewaltigen, eher gerufenen als gesungenen Vocals erinnern mehr denn je an The Young Gods und finden sich auch auf dem ganzen Album immer wieder. Eine andere Assoziation, welche sich ergibt, ist jene zu Electro-Bands wie Justice, es klingt zuweilen wie ein Sprint durch einen Dschungel aus Geräuschen während dem ein Gewitter tobt. Dies zum Beispiel beim Track „Fourth“.

Während dem Auftritt muss die Band Zugriff auf eine riesige Auswahl an Samples und Sounds gehabt haben, denn in dem ganzen Dickicht aus Geräuschen, Beats und Instrumenten hört man immer wieder neue Facetten heraus, so zum Beispiel beim knapp zwöfminütigen Stück „Fifth“, welches relativ ruhig beginnt und zum Ende in einem wilden Gitarren(?)-Solo endet. Vergleichbar ist die Musik auch mit Projekten von Mike Patton, zum Beispiel Peeping Tom. Patton gab auch an, dass er massgeblich von den Young Gods beeinflusst sei.

Fazit: Wer keine der genannten Vergleiche (Stimmhorn, Young Gods, Justice, Mike Patton) kennt oder diese nicht mag, der ist bei der Fabulous Dance Machine wohl nicht allzugut aufgehoben, denn die Musik lässt sich vor allem mit den Attributen verstörend, grob, sperrig und laut beschreiben. Jene, die die angegebenen Vergleiche kennen und schätzen, könnten an dieser Live-Aufnahme mehr gefallen finden als jener Teil des Publikums, welchen man zwischen den Stücken quaseln hören kann. Vorher reinhören lohnt sich aber auf jeden Fall.

Seit 7. Februar 2009 im Handel erhältlich

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