Exit Music
The Evpatoria Report – Maar
The Evpatoria Report – Maar

The Evpatoria Report – Maar

9.0

Genre:
Label: Get A Life! Records

Erstellt am: 23.09.2008
Autor:
Erstellt am: 23.09.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Traumhaft

Was an Musik im Allgemeinen und Grundsätzlich stört ist der Gesang. Entsprechend gut gefallen die vier kurzweiligen Endlosigkeiten auf Maar.

Klar, es gibt gute Stimmen und zum Teil sogar intelligente Texte, doch darauf verzichte ich gern. Was wirklich interessiert ist das musikalische Handwerk. Zum Glück haben ein paar wortkarge Instrumentalisten vor nicht mal allzu langer Zeit den Postrock erfunden. Hierbei handelt es sich, kurz und lasch ausgedrückt, um emotionale, instrumentale Rockmusik mit Hang zum Exzess. Dieses Spiel mit Stimmungen, Intensitäten und Gefühlen wird seit Honey For Petzi auch in der Schweiz heftigst gespielt. Ich stelle im kleinen, aber eleganten postrockschen Kosmos zwei ’Spielarten’ bzw. ’Kategorien’ fest. Einerseits die rhythmisch komplexe, mathematische, nervöse (37500 Yens, Sincabeza, Honey For Petzi, Buckethead) und andererseits in die druck- und gefühlvolle, raum- und zeitlose, emotional-sinnliche (Mono, Red Sparowes, Explosions In The Sky, Mogwai, Eluvium, Godspeed You Black Emperor, This Will Destroy You, Tortoise oder Pelican). The Evpatoria Report bzw. ihr zweites Album ’Maar’ ist klar der zweiten Kategorie zuzuschreiben.

Die Kritik, dass all die Postrock-Bands eigentlich nur immer dasselbe ein bisschen anders spielen, ist natürlich erlaubt und zu verstehen. Doch wer die 60 Minuten Musik, die vier (!) auf ’Maar’ zu hörenden Stücke nach genauem Hinhören nicht aufs innigste liebt, darf sich von mir gerne als emotionalen Eisklotz bezeichnen lassen. Seidenfeine Gitarrenparts, teilweise verstärkt durch traurigste Violinen, Viola und Cello bauen sich mit Hilfe von Bass und Schlagzeug über Minuten hinweg zu brachialen Klanglandschaften auf. Im 17 Minuten dauernden Track ’Eighteen Robins Road’ bedienen The Evpatoria Report sämtliche Ansprüche, welche an eine gute Postrockband gestellt werden dürfen. Einzelne Töne fliessen langsam zu Melodien zusammen, diese türmen sich auf, um irgendwann in gitarrenlastigem Feuerwerk zu explodieren. Dann kurze Stille, wiederum zaghafte Intensitätssteigerung, verträumtes Streichergewusel, zweiter Höhepunkt. Und so weiter, auf und ab. Weinen erwünscht.
Jeder, der oft tanzt und das gesellschaftliche Leben als Mittelpunkt seines Ichs betrachtet, lasse bitte die Finger davon. Jedem, der gerne alleine träumt, schwebt, phantasiert und denkt, sei dieses Album wärmstens ans Herz gelegt.

Seit 5. September 2008 im Handel.

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The Evpatoriareport
Anspieltipps:
> nur als Gesamtwerk konsumierbar

Diskographie:
> EP (2003)
> Golevka (2005)
> Maar (2008)

Ähnliche Künstler:
> Mono
> Explosions In The Sky
> Red Sparowes
> Mogwai
> Seidenmatt
> This Will Destroy You
> Tortoise
> Godspeed You Black Emperor
> Eluvium
> Pelican
> Isis