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The Engineers – The Engineers (Echo/Musikvertrieb)

The Engineers – The Engineers (Echo/Musikvertrieb)

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Neuerscheinungen

Geschätztes Auditorium,

"Engineers are different." Dies lesen wir auf der Homepage der Gruppe. Soso. Dann wollen wir dem anzuzeigenden Album "Engineers" ein kritisches Ohr leihen, eingedenk der Tatsache – dies vorab -, dass der berühmte Dave Bascombe (u. a. mit Tears For Fears gearbeitet) als Remix-Mastermind ganze Arbeit geleistet hat. Mindestens etwas.

Aber hallo! Inwiefern sind denn Dan McBean (Gitarre, Keyboard), Simon Phipps (Gesang, Gitarre), Mark Peters (Gesang, Gitarre) und Sweeney (Drums) "different"? Ja, ja, schon eingesehen, in London werden Engineers als grosses, wahnsinnig wichtiges Ding gehandelt. Das sagt aber weniger über deren Musik aus als über den Zustand der momentanen englischen Musikkritikertopographie. Bitte, sollen die grossen, wahnsinnig wichtigen Experten ihren Kanon doch um ein Album erweitern, aber beim Barte von Majestix: Was uns vorliegt an Musik, DAS haben Air schon vor geraumer Zeit gemacht. Und sie haben es sehr viel besser gemacht.
Hier plätschert ein wenig Gesang vor sich hin, sozusagen maskulines Feengehauche, sucht und findet Keyboards, bleibt aber konsequent bar jeglichen Interesses. Müssen denn Engineers so obercool langweilig sein? Tja, tönt’s von der Homepage, dem muss so sein, sofern man das Statement der Musiker richtig interpretiert: "We want to turn the lights down, get stoned and then blow our heads off. We just want to please ourselves." Niemand hat etwas dagegen einzuwenden, wenn man sich selbst gefallen will und in einer Ecke vor sich hindämmert. Aber weshalb muss man dazu musizieren? Ist das ein Privileg der Jugend?
Nein, Melodielosigkeit ist dem Album nicht vorzuwerfen, wohl aber tiefste, deprimierende, elendigliche Langeweile. Bei "Said and Done" wünscht man sich das Ende sehnlichst herbei, der Song "Trasher" – selten so laut über einen derart deplazierten Songtitel gelacht – hat zwei eingängige Textzeilen, die ekstatisch förmlich zu Tode gesungen werden. Die Gitarren kleben ängstlich an einem Dreiklang, als ob der Gitarrist sich vor dem Aufwachen fürchten würde. "Waved On" ist an textlicher und musikalischer Schmalspurigkeit kaum zu unterbieten. Keyboardchen, Trommelchen, Gitarrchen und Stimmchen treffen sich sonntags um 15.28h zum belanglosen, melodiösen Sphäreneinerlei. Wir sind Ambient nicht abgeneigt, doch zu wenig ist simpel zu wenig.
Einzelne lichte Momente erkennen und anerkennen wir euphorisch. In "How Do You Can Say Goodbye" breitet sich orchestral-majestätisch ein Klangteppich aus, der zu gefallen weiss. Das gefällige Gitarrenspiel im abschliessenden Song "One in Seven" macht zuweilen Anstalten, an das behände Spiel John Squires bei den unvergessenen Stone Roses zu erinnern. In "New Horizons" singen sich zwei Stimmen zu, mithin kanonartig – nein, eine Fuge eruieren wir dann doch nicht -, was recht unterhaltend ist. Geradezu verwirrt lässt einen der Song "Let’s Just See" zurück: Engineers schicken sich an zu grooven. Oho! Beinahe ist man geneigt, mit dem Lockenköpfchen fröhlich mitzuschunkeln. Beinahe …
Als bestes Stück – diese spitze Lanze sei erlaubt – ist "Peter Street" zu apostrophieren: Beglückt stellen wir nicht nur fest, dass kein gelangweilter Gesang langweilt, sondern wir jauchzen ob der Länge des Songs: 01:22 – genau so viel haben Engineers der Hörerschaft u. E. zu sagen. Ähnliches gilt für das Artwork: Wir verlieren kein weiteres Wort darüber. Ist auch unnötig.
Dieses weichgespülte Irgendetwas vermag den Rezensenten nicht aus der Reserve zu locken, vielmehr geht er in sich und erörtert intensiv, ob besprochener Silberling nicht schlicht ein grosses Missverständnis sei. Bei allem Wohlwollen, wir fürchten, dies bejahen zu müssen.

Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Seit 14. März 2005 im Handel.

Diskographie: The Engineers (2005)
Artverwandt: Air, The Alan Parsons Project, Pink Floyd, Enya (hihihi …); Engineers selbst indizieren als Einflüsse The Spiritualized, The Cocteau Twins (wie bitte?), Brian Eno (aha …)

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