Exit Music
The Dresden Dolls – Yes, Virginia
The Dresden Dolls – Yes, Virginia

The Dresden Dolls – Yes, Virginia

8.5

Genre: ,
Label: Roadrunner Records

Erstellt am: 08.05.2006
Autor:
Erstellt am: 08.05.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Grosses Theater

Die Dresden Dolls, bekennende Anhänger Kurt Weills, Bertold Brechts sowie der Weimarer Republik, spielen ihren Angaben zufolge Cabaret-Punk. Man lasse sich bitte nicht von dieser etwas eigenwilligen Bezeichnung abschrecken, denn ihr zweites Werk ist genauso wunderschön wie schockierend und könnte sogar Kulturbanausen gefallen.
Dass Amanda Palmer und Brian Viglione aus Boston stammen, würde wohl manch besserwisserischer Europäer dementieren, denn nicht nur der Name The Dresden Dolls sondern auch die theatralische, melodiöse, ungeheuer kreative Spielweise der beiden traut manch einer hierzulande den BigMacs nicht zu. Spielt ja keine Rolle, woher die kommen, Hauptsache, sie machen ihre Sache gut. Und wie sie dies tun! Amanda Palmers Stimmorgan hat dermassen viel Ausdruckskraft, Lieblichkeit, Dramatik, Tiefe und Rotz, dass selbst Eiszäpfen das schrecklich schöne Gefühl des kalten Ganzkörperschauers geniessen können. Sie begleitet ihre wunderschönen, manchmal traurigen, manchmal freundlichen, dann wieder nervös-chaotischen Melodien auf dem Piano mit so viel Gefühl, Ideenreichtum und handwerklichem Können, dass der hier Schreibende binnen Minutenfrist sämtliche emotionalen Höhenflüge sowie Bruchlandungen erlebt und das Ganze in vollen Zügen geniesst. Die Musik vermag einen daran erinnern, dass man tatsächlich lebt (oder zumindest in einem dem Leben verwandten Zustand existiert). Wenn man erst einmal die Melodien und das entzückende Klavierspiel bis ins letzte Detail in sich aufgesogen hat, kann man das Ohrenmerk auf die ähnlich brillanten Texte richten und wird schon wieder umgehauen. Von alkoholkranken Freunden über den ersten morgendlichen Orgasmus und Masturbation bis Holocaust und Terrorismus, alles was die Welt oder die auf ihr lebenden Menschlein zu beschäftigen vermag, wird ohne je ein Blatt vor den Mund zu nehmen gnadenlos zur Schau gestellt. Die musikalische Vielfalt ist schlicht überwältigend. Luftig-swingende Nummern (’My Alcoholic Friends’, ’Mandy Goes To Med School’) wechseln sich ab mit tieftraurigen Balladen (’Delilah’, ’Me & The Minibar’) und eigenartigen Chansons (’Sex Changes’). Grausam plötzliche Tempo-, Intensitäts-, und Rhythmuswechsel machen das Werk spannender als ganz Hollywood. (Okee, dazu braucht’s eigentlich nicht viel, aber der Vergleich passt.) Auf jeden Fall ein eigenartig fesselndes Werk, das in jede Plattensammlung Farbe einzubringen vermag.
Seit 21. April 2006 im Handel.

Anspieltipps: Sex Changes, Modern Moonlight, My Alcoholic Friends,
Trackliste: 1) Sex Changes; 2) Backstabber; 3) Modern Moonlight; 4) My Alcoholic Friends; 5) Delilah; 6) Dirty Business; 7) First Orgasm; 8) Mrs. O; 9) Shores of California; 10) Necessary Evil; 11) Mandy Goes To Med School; 12) Me & The Minibar; 13) Sing
similar Artists: The White Stripes, Kurt Weill, PJ Harvey, Nina Nastasia

Bio:

Dass Amanda Palmer (pi.) und Brian Viglione (dr.) aus Boston stammen und den europäischen 20er Jahren ein bisschen nachtrauern, wurde bereits erwähnt. Die beiden Talente begannen bereits im Kindesalter fleissig zu musizieren. Als sie 2002 aufeinander trafen, stimmte die Chemie auf Anhieb. Brian war begeistert von Amandas virtuosem Klavierspiel und man beschloss, von nun an gemeinsam zu spielen. Durch Konzerte im näheren Umfeld machten sie sich vorerst in der Heimat einen Namen, das 2004 erschienene Debüt schlug dann auch in Europa kräftig ein und der alte Kontinent schloss die beiden sofort ins Herz.

Diskographie:

> The Dresden Dolls (2004)
> Yes, Virginia (2006)