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The Divine Comedy – Bang Goes the Knighthood
The Divine Comedy – Bang Goes the Knighthood

The Divine Comedy – Bang Goes the Knighthood

8.5

Genre: , ,
Label: Divine Comedy Recordings

Erstellt am: 26.05.2010
Autor:
Erstellt am: 26.05.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Very british

Schon im ersten Lied „Down in the Street Below“ wird erwartet, dass ein farbiger Chor hinter einem gebastelten Kartonbaum hervorspringt, um mitzusingen, dass im Hintergrund Tänzer Kapriolen schlagen und erst wieder fürs Bridge hinter dem Vorhang verschwinden, um den Sänger auf der abgedunkelten Bühne dem Publikum zu überlassen. „Bang Goes the Knighthood“ beginnt mit einem Knall, der das ganze Album lang anhält.

The Divine Comedy ist schrecklich britisch. Neil Hannons Aussprache ist es, der Humor ist es, das Dandyhafte, Elegante und doch irgendwie Selbstironische ist es auch. Fast möchte ich behaupten, dass wenn man Neil in der Strasse antreffen würde, man auch sofort erkennen könnte, dass er von der Insel kommt. Eigentlich aus Nordirland. Dort gründete Neil mit zwei Schulfreunden 1989 eine Band, ein Jahr später hatten sie schon Plattenvertrag und ihr erstes Album in den Händen. Später trennten sie sich, Neil arbeitete eine Zeit lang alleine, und danach muss ich ehrlich zugeben, verliere ich den Faden. Jedenfalls zählte The Divine Comedy schon etliche Musiker zu seinen Bandmitgliedern, wobei Neil Hannon immer die treibende Kraft und wiedererkennbare Stimme blieb.Bang Goes the Knighthood ist nunmehr sein zehntes Album. Es ist leicht und unbeschwert, kitschig und doch voller fürchterlich erster Themen. „The Complete Banker“ erklärt das Bankwesen zu einem grossen Spiel („It was just a big game, but God I loved it, making a profit from somebodys loss/ I never knew exactly whose money it was.“) während der Song „Bang Goes the Knighthood“ die Spielsucht thematisiert („The fear is making me ill, but then fear is part of the thrill“). Der Sänger spielt mit Worten und lässt so Lebensgeschichten entstehen.Auf „Have You Ever Been in Love“ trällert Neil Hannon hingegen ein kitschiges Liedchen, zwar mit jazzigem Rythmus und Klavierspielereien, trotzdem sieht man vor dem inneren Auge kleine Vögelchen Schneewittchen-like herum schwirren. Auch auf „When a Man Cries“ wirkt der Sänger erst verletzlich und gegen Ende richtig dramatisch, so dass man fast glauben würde, man sitze in einer tragischen Musical Vorstellung in London.“And you’ll write a silly song, it’s harder than you think“, erklärt uns Neil auf „Can You Stand Upon One Leg“. Wahrscheinlich spricht er aus Erfahrung, denn seine Songs sind silly. Man möchte die ernsten Texte auch ernst nehmen, aber sie lassen einen gar nicht. Die Musik zum Text ist wie zuviel, sie wirkt übertrieben: Ein wenig Mickeymousing hier, eine schräg tönende Tröte und eine lustige Klingel da. Auch die Titel haben etwas Verspieltes. „Can You Stand Upon One Leg“ erinnert an eine Kinderwette: Der, der zuerst das Gleichgewicht verliert, hat verloren. Er beweist uns zwar nicht, dass er auf einem Bein stehen kann, dafür zeigt er, dass er lange, lange, lange, lange, (ja, wirklich sehr) lange einen Ton rauspressen kann, so dass man fast die Augen verdrehen muss – ich glaube dir ja, dass du es kannst.

Eigentlich kann man die Monthy Python heraushören, Monster des britischen Humors – und welche Band kann das schon von sich behaupten. Doch macht das auch gute Musik aus? Spass macht das Album auf jeden Fall. Aber bei betrübtem Zustand hilft sie entweder auf eine siebte Wolke rauf, oder sie zieht einen noch mehr runter, wie ein allzu grinsendes Kind auch total nervig sein kann, wenn man selber schlecht drauf ist.

Obwohl The Divine Comedy ihren Namen eher zufälligerweise von Dante borgten, passt er doch sehr gut. Einerseits die Komik der Musik und andrerseits das, naja, Göttliche der Texte. Neil zitiert immer wieder hochbekannte Künstler. Schauspieler David Jason auf „The Lost Art of Conversation“ und Bands wie Blur, The Cure und Morrissey auf „At the Indie Disco“. Das Zitieren kennt Neil Hannon gut, tat er es doch schon öfters auf seinen früheren Alben. Er liess sich auch schon beeinflussen von Künstlern wie Wordsworth, Michael Nyman oder Jacquel Brel. So nimmt man ihm auch ab, dass er sich in Sachen Kultur auskennt. Damit schafft er es, den Kontrast zwischen Comedy und Divine wieder auszubalancieren. Auch auf dem Album „Bang goes the Knighthood“, die Ritterwürde ist also noch nicht verloren.

Seit  28. Mai 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Down in the Street Below
> Bang Goes the Knighthood
> I Like

Diskographie:
> Fanfare for the Comic Muse (1990)
> Liberation (1993)
> Promenade (1994)
> Casanova (1996)
> A Short Album About Love (1997)
> Fin de Siècle (1998)
> Regeneration (2001)
> Absent Friends (2004)
> Victory for the Comic Muse (2006)
> Bang Goes the Knighthood (2010)

Ähnliche Künstler: 
> The Duckworth Lewis Method
> Pulp