Exit Music
Tapes ’N Tapes – Walk It Off
Tapes ’N Tapes – Walk It Off

Tapes ’N Tapes – Walk It Off

9.0

Genre: ,
Label: XL Recordings

Erstellt am: 10.05.2008
Autor:
Erstellt am: 10.05.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Zuhören bitte

Biopics/tapesntapes.jpgSehr vernünftiger Indierock aus den Staaten. Angenehm, lässig, vielseitig.Die Medienresonanz auf das zweite Album von Tapes ’n Tapes ist durchwegs positiv. Da kann ich mich grundsätzlich anschliessen. Trotzdem ist es mir einigermassen schwer gefallen, mich mit dem Album auseinanderzusetzen, da ich momentan nur noch ’Machine Gun’ von Portishead hören kann. Entsprechend entschuldige ich mich für das verspätete Eintreffen dieses Textes.

Was mir primär auffällt, ist die dumpfe Grundtonlage der Songs. Trotz freundlichen Melodien und gekonntem Spiel tönt die Platte, als ob die billigen Ohropax, die man an Konzerten nachgeschmissen bekommt, gleich mit drauf gepresst wurden. Und dies liegt hoffentlich nicht an meinem Gehör(schaden) bzw. daran, dass mich Blackmail gestern Abend in der Roten Fabrik so ziemlich kaputtgerockt haben.
Was mir an Tapes ’n Tapes gefällt, sind die teilweise intensiven Gitarrenparts, welche dank der dumpfen Aufnahme zusätzlich Druck bekommen. Auch die Basslinien erreichen ungeahnte Tiefen und werden entsprechend vom viszeralen System angenehm wahrgenommen (’Time Of Songs’). Im Kontrast dazu stehen die fröhlich über den Melodien schwebenden Säuseleien der Leadgitarre und das niedliche, dezente Keyboardgequietsche. Die teilweise skurrilen Strukturen und die netten Rhythmus- und Intensitätswechsel wie in ’Demon Apple’ sprechen für einen gewissen Sinn für Wahnsinn der Band, was ich ihnen hoch anrechne. Allgemein wird das Album, je vorgeschrittener die Zeit bzw. je weiter hinten die Stücke, besser. ’Demon Apple’ und ’Blunt’ bezeichne ich als Höhepunkte, da die beiden Tracks schlau an der Grenze zum Chaos wandern, dem wahren Rock enorm nahe kommen und schwer psychedelische Elemente aus den 70ern beinhalten. ’Anvil’ macht dann einen Schritt zurück zum Pop, bleibt jedoch mit schwebenden Synthies und punktiertem Keyboard psychedelisch. Zum Schluss stellt ’The Dirty Dirty’ mit monotonem, trockenem Beat und verwirrten Gitarren die Frage: ’Where did all the money go?’ und weckt kurz Erinnerungen an Modey Lemon.

Im Verlauf des Verfassens dieses Textes bzw. des genauen Hinhörens korrigierte ich die Bewertung von 3 auf 4.5 Sterne und bin nun überzeugt, mit ’Walk It Off’ ein absolut gelungenes Album gefunden zu haben. Moderner Rock, der in die Knie gehen kann, Popelemente für die Masse und Zitate aus der drogenkranken Vergangenheit formen ein reifes, abwechslungsreiches Werk für Hörer, denen die Retrobritrockpopyeahyeahwelle langsam auf die Nerven geht.

Wie mein Mathematiklehrer zu sagen pflegte: Nicht schlecht, 2-3. Das soll was heissen.Seit 15. April 2008 im Handel.

Anspieltipps: Demon Apple, Blunt, George Michael, Anvil, Lines, The Dirty Dirty
Trackliste: 1) Le Ruse; 2) Time Of Songs; 3) Hang Them All; 4) Headshock; 5) Conquest; 6) Say Back Something; 7) Demon Apple; 8) Blunt; 9) George Michael; 10) Anvil; 11) Lines; 12) The Dirty Dirty
similar artists: Wolf Parade, Clap Your Hands Say Yeah, The Arcade Fire, Modey Lemon, Johnossi

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Bio:
Erik Appelwick (bass), Josh Grier (voc.), Jeremy Hanson (drums) und Matt Kretzmann sind Tapes ‘n Tapes und stammen aus Minneapolis. Wie es in der heutigen Zeit üblich ist, erlangten die Herren ihre Berühmtheit vorerst übers Internet. Ihr zweites Album ‘Walk It Off‘ rechtfertigt den Hype jedoch problemlos. Der Albumtitel heisst soviel wie ‘halb so schlimm‘ und entstand aus einem Kommentar über einen wüsten Zusammenstoss zweier Footballspieler. Aufgenommen wurde die Platte von Dave Fridman (Flaming Lips, Mercury Rev).

Diskographie:
> The Loon (2006)
> Walk It Off (2008)