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T.Raumschmiere – Blitzkrieg Pop (2005) (Nova Mute/Musikvertrieb)

T.Raumschmiere – Blitzkrieg Pop (2005) (Nova Mute/Musikvertrieb)

Erstellt am: 03.09.2005
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Erstellt am: 03.09.2005   Autor:

Neuerscheinungen

left

Knarzerei continued

right T.Raumschmiere verpasst wieder mal direkt einen Tritt in den Hintern und lädt ein, um an einer grenzensprengenden Achterbahnfahrt teilzunehmen.

Marco Haas stach schon seit jeher durch seine derbe Kombination von Rock und Techno hervor. Stücke wie “Monsterdruckdriver“ wurden trotz ihrer Sperrigkeit zu erfolgreichen Clubhits. Das klang zwar zum Teil auch schon ziemlich punkig, doch noch nie so sehr, wie’s die Single-Auskopplung “Sick Like Me“ tut, nebenbei auch das erste Stück auf “Blitzkrieg Pop“. Die jeglichen modernen Punk-Klang meidenden Ohren des Rezensenten wiesen nach dem fast reinen Punk-Stück Behandlungsbedarf auf. Medizin folgte mit dem typischeren “All Systems Go!“, das mit vertraut knarzendem, düsterem Techno-Lärm eine ziemlich coole Wirkung erzielt. Ähnlich tanzflächenfüllend dürfte das Stück sein, bei dem bpitch-Lady Ellen Alien tatkräftig mitwirkte: “Diving In Whiskey“ offenbart sich als das wohl beste Stück auf “Blitzkrieg Pop“, der satte Groove packt schon in den ersten paar Takten.
Viele Stücke auf dem neuen Album haben mit Techno allerdings in etwa so viel zu tun wie die Outputs der Guano Apes mit guter Musik. Bedauerlicherweise leiht Sandra Nasic, Sängerin ebenjener Band, dem relativ belanglosen und punk-poppigen “A Very Loud Lullaby“ ihre nicht besonders wohlklingende Stimme.  
Gut möglich, dass das Hörern, die der harten Rockmusik etwas näher stehen, gefällt – die Sache des Rezensenten ist’s auf keinen Fall. Bei der qualitativen Achterbahnfahrt geht’s anschliessend wieder etwas aufwärts: Kein zähes Geschrei, dafür viel Wumms bieten die folgenden Stücke, die immer noch aggressiv rocken, aber wieder etwas mehr Bezug zur elektronischen Musik aufweisen.
Erstaunlich gut gelangen Haas und seinen Mitmusikern auch die etwas ruhigeren Stücke. Die Ambientklänge, die manchmal als einminütige Interludes oder als unheimlich-schöne Tracks auftauchen, sind äusserst atmosphärisch gehalten.
Das titelgebende und abschliessende Electro-Punk-Stück klingt dann, um nochmals das Bild der Achterbahn zu bemühen, wie eine endgültige Entgleisung des Wagens. Trotzdem: Streckenweise vermag “Blitzkrieg Pop“ mit seinem aggressiven Gemisch aus Electroclash, Punk und Techno wirklich vollkommen zu überzeugen – Reinhören ist für Interessierte Pflicht.

Ab 12. September 2005 im Handel.

Anspieltipps: All Systems Go!, Diving In Whiskey, An Army Of Watt
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> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Den Lärm, der von T.Raumschmiere ausgeht, hat der Berliner Marco Haas zu verantworten.  Erste musikalische Gehversuche wagte Haas in den 90ern in der Punk-Szene, was man seiner späteren Musik auch deutlich anhört. Im Verlaufe der Zeit entdeckt Haas die Liebe zur elektronischen Musik und gründet 1997 sein eigenes Label “Shitkatapult“. Von William S. Burroughs nimmt er den Namen, die musikalischen Einflüsse reichen neben der Elektronik weit in die frühe Punk-, Rock- und Metal-Musik zurück. Im Jahr 2002 erscheint mit “The Great Rock’n’Roll Swindle“ eine Compilation, die einige der zuvor veröffentlichten T.Raumschmiere-Hits beinhaltet. Gleichzeitig veröffentlicht Haas mit “Anti“ ein etwas ruhigeres und elektronischeres Debüt-Album. Ein Jahr später folgt mit “Radio BlackOut“ das Album, das ihm zu europaweiter Bekanntheit verhilft.

Diskographie:
> Anti (2002)
> The Great Rock ’n‘ Roll Swindle(2002)
> Radio BlackOut (2003)
> Blitzkrieg Pop (2005)

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