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Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

8.5

Genre:
Label: Asthmatic Kitty Reords

Erstellt am: 28.03.2015
Autor:
Erstellt am: 28.03.2015   Autor:

Rezensionen

Das Unvermeidbare

„What’s the point of singing songs/ If they’ll never even hear you?“

Sufjan Stevens passt in keine Schublade. Natürlich fühlen sich Künstler/-innen in solchen grundsätzlich nicht wohl. Nicht alle schaffen es aber, mit ihrem Werk unfassbar zu bleiben. Gescheitert ist Sufjan Stevens bis jetzt nur an seinem Vorhaben, jeden der 50 Bundesstaaten zu vertonen – nach „Michigan“ und „Illinois“ war bereits Schluss und ernst war das auch nicht gemeint. Sufjan Stevens hat die enorme Vielfalt seiner Ideen bereits mit „Illinois“ bewiesen. Und ehrlich, man möchte vielleicht gar nicht wissen, wie er Hawaii und Florida vertont.

Denn er hat mit Alben wie „The Age of Adz“, das sehr grossspurig mit allen Spielarten der elektronischen Musik teilweise überfordert, oder mit Projekten wie „The BQE“ mehrfach angedeutet, dass er ganz anders kann. Ein Künstler wie Stevens, der von Ebene zu Ebene springt, der findet nicht nur eine Art von Hörer. Es wird Menschen geben, die „The Age of Adz“ als ihr liebstes Album nennen. Viele werden nun ihr Lieblingsalbum in „Carrie & Lowell“ finden. Ohne „The Age of Adz“ wäre aber ein überragender Song wie „Should Have Known Better“ nicht gelungen. Ein Highlight, das sehr dezent und ungemein feinfühlig die vielen Ebenen vereint, die Stevens ausmachen.

Carrie ist seine 2012 verstorbene Mutter, Lowell sein Stiefvater. Kein Wunder kehrt bei Stevens alles wieder in sich hinein. Die pure Reduktion auf das Wesentliche. Einen Umgang damit zu finden, was man mit dem Tod eines nahestenden Menschen zu verarbeiten hat, ist eine Lebensaufgabe, die man nicht einfach so beschreiben kann. Es gibt kein Handbuch dazu. Stevens hat einen Weg gefunden, der uns berührt, nachdenklich stimmt und teilhaben lässt an seinem Innenleben. „Carrie & Lowell“ ist mit Sicherheit kein Handbuch. Aber es ist sein persönlicher Weg. Und wir hören zu.

Die Texte drehen sich um seine Kindheit und Erinnerungen sowie Verlust und Tod. Düstere und ehrliche Gedanken rund um das Unvermeidbare: „I forgive you, mother, I can hear you/ And I long to be near you/ But every road leads to an end“. Eine traurige, wunderschöne und sehr intime Sammlung von Songs, die seiner Mutter Carrie gewidmet ist. Viel Schmerz, der auch dank diesen Liedern und ihren Zeilen ausgehalten wird. Und schliesslich das schwierigste und womöglich einzig richtige in Bezug auf alles Leben: Das Akzeptieren des Todes. „We’re all gonna die“.

Ab 27.03.2015 im Handel erhältlich.