Exit Music
Stun – OK Hunter
Stun – OK Hunter

Stun – OK Hunter

8.0

Genre: , ,
Label: Sister Jack Records

Erstellt am: 17.04.2012
Autor:
Erstellt am: 17.04.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Betäubende Wucht

Jawohl, Stun meint betäuben. Und diese Band bringt endlich mal wieder ein richtig pompöses, melodiöses, dramatisch-wuchtiges Indierock-Album. Erinnerungen an ‚alte Zeiten‘ werden wach.

Vielleicht beschäftige ich mich zu sehr mit musikalischen Skurrilitäten oder Absurditäten à la Emptyset und habe entsprechend den Zugang verloren, vielleicht verirrt sich die alternative Musikszene zunehmend in klangliche Extreme, doch intensiven, angenehmen, ‚klassischen‘ Indierock hört man heutzutage eher selten. Vor ca. 5-8 Jahren waren solch wunderbare Bands wie Slut, Blackmail, The Notwist, Bush, Mew, Cave In, dEUS, Favez oder Kashmir mit dezent düsteren, druckvoll-melancholischen Alben in Dauerrotation. Wahrscheinlich war mein musikalischer Horizont schmaler oder meine diesbezüglichen Vorlieben weltlicher, jedenfalls konnte ich mich damals in von solider Gitarrenarbeit begleiteten, melodiösen Songs verlieren und suchte nicht nach  20minütigen weltverneinenden Beat- und Gitarrenmassakern.

Das Bremer Quartett Stun nimmt mit ihrem zweiten Album „OK Hunter“ jene angenehme  Form des gitarrenlastigen, wuchtigen, dank melodiösen Vocals jedoch freundlich-schmeichelnden Musizierens wieder auf und lässt beim langjährigen Alternative-Konsumenten schöne Erinnerungen an alte Zeiten aufblühen. Stun überzeugen durch grossartig konstruierte wie auch produzierte, klanglich intensive, eindringliche Gitarrenmusik. Das Album startet mit „Kids Explode“. Die ersten Zeilen sanften Gesangs erinnern brutal an the Notwist. Ein gutes Zeichen. Doch bereits im ersten Track geben Stun die Richtung, welche es musikalisch zu begehen gilt, vor. Dank sauberem, eindringlichem Gitarrenspiel gewinnt der Song an Intensität, überholt The Notwist bezüglich Rock und bläst den Zuhörer schliesslich weg. Klanglich wäre der Song problemlos auch ohne Gesang hörbar und dann tief in der Postrock-Ecke einzuordnen. Dass mir dies passt, ist nicht zu leugnen. „Ruins of the Past“ trifft dann genau jenen Trigger, welcher guten Alternative auszeichnet. Ungeheuerlich druckvolle Gitarren, die Gesangsstimme überschlägt sich, instrumentale Zwischenstücke zur Erholung. Ins ähnliche Horn wird während des ganzen Albums geblasen. „Wired“ dann im Vers  rhythmisch sehr spannend, im Refrain wiederum pompös-aufbrausend. „Paris Vegas“, die Singleauskopplung, hat herrlichen Drive, der brummende Bass und die Drums peitschen voran, die Gitarren treten kurz einen Schritt zurück. In „Summer“ wird das Tempo kurz reduziert, dank Bläsern kommen hier Erinnerungen an die (neueren) Backmail-Auskopplungen auf. „Hail Will Drum“ wiederum ruhiger. Hier dürfen Slut als Referenz herbeigezogen werden. Gesanglich wie auch melodiös sehr stark und eingängig, die Gitarren schweben irgendwo über dem Song. Nach vier Minuten knallen die Gitarren kurz und heftig. Ein wunderbar konstruierter Song, grosses Kompliment. Mit „Love“ und „You in Me“ folgen klanglich wiederum sehr intensive, eindringliche Balladen. In „Monotone“ singt Milo Milone mit, „Chased by Your Own“ beendet das Werk. Ein letztes Mal dürfen die Gitarren wüten.

Zusammenfassend: Die Songs schaukeln sich, teils dank gezielt eingesetzten Bläsern sowie immer wieder herrlich breiten Gitarrenwänden, von einem Höhepunkt zum nächsten. Dazwischen hört man jeweils feine, ruhige, gemächliche Passagen. Das Spiel mit beinahe gewaltsamer Intensität und schlichter musikalischer Schönheit gelingt Stun meisterlich. Der teils zurückhaltende, teils betonende, selten ausufernde Gesang passt perfekt zu den dominanten Gitarren. Ein wunderbares Album, welches die deutsche Indie-Geschichte um ein spannendes Kapitel erweitert.

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Seit 13. April 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Kids Explode
> Paris Vegas
> Hail Will Drum

Diskographie:
> And at Least, You Dance (2009)
> The Loyality Report (Split Single 2011)
> OK Hunter (2012)

ähnliche Künstler:
> Slut
> The Notwist
> Blackmail
> Bush
> Cave In