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Speech Debelle – Freedom of Speech
Speech Debelle – Freedom of Speech

Speech Debelle – Freedom of Speech

8.0

Genre:
Label: Big Dada

Erstellt am: 03.03.2012
Autor:
Erstellt am: 03.03.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Auf kleiner Flamme

Früher guckte man, als Kind des Grunge ganz verstohlen, immerhin auch „Yo! MTV Raps“. Speech Debelle hat alle Qualitäten, dass man dem Hip-Hop wieder die Relevanz von einst zutraut. Und fürs Entdecken gibt es heute YouTube. Das ist sehr angenehm. Die dämlichen Kommentare im Web2.0 sind es nicht.

Corynne Elliot gewann 2009 für ihr Debüt „Speech Therapy“ zurecht den renommierten Mercury Prize. Eine junge, schwarze Rapperin aus London. Als hätten es Frauen im Musikbusiness nicht schon schwer genug, reduziert man sie im Hip-Hop gerne auf den Background – in jeder Hinsicht. Streift man ein paar Stunden durch den YouTube-Kosmos, um die Videos von Speech Debelle kennen zu lernen, fällt einem auf, dass hier nicht jeder begeistert ist von dieser Künstlerin. Teilweise sind die Kommentare im Web2.0 schon sehr dumm. „Speech Therapy“ war bereits eine grundsympathische Platte und endlich wieder einmal echter Hip-Hop – performt von einer jungen Frau, die gar nicht erst versteckt, jung zu sein. Auf „Freedom of Speech“ wirkt Corynne Elliot erwachsener. Das muss nicht zwingend gut sein, ist es in diesem Fall aber definitiv. Man merkt den Schritt vom Debüt zur Gegenwart und das nicht nur, weil Speech Debelle dem brennenden London eine musikalische Stimme gibt („Blaze Up a Fire“). Die ganze Platte klingt selbstbewusster. Schon nur der wahnsinnig geile Opener „Studio Backpack Rap“ macht Anstalten, alles zu zerreden, was muckst. Der Schlusssong „Sun Dog“ ist das pure Gegenteil davon, wunderschön und schon längst nicht mehr reiner Hip-Hop. Diese Bandbreite ist beeindruckend und sie entwickelt sich zunehmend zwischen diesen beiden Kernstücken.

Die Freiheit, Dinge anzusprechen und anzudeuten, kommt auf diesem Album nie aggressiv rüber. Produzent Kwes achtet darauf, dass die überlegten und sehr feinfühligen Songs von Speech Debelle die lebendige Umgebung bekommen, die sie verdienen. Bester Anschauungsunterricht liefert „Elephant in the Living Room“. Hier ist ein Beat nicht einfach ein Beat und fertig. Das ist viel genreübergreifender – und das war auch bereits das Debüt. Die wahre Kunst ist, ein solches Album nicht zu überladen. Thematisch schwer, ja das ist „Freedom of Speech“. Bei der ganzen Ernsthaftigkeit mögen einige den Humor oder die Leichtigkeit eines Songs wie „Spinnin’“ vermissen. Wenn in London aber – nicht wirklich überraschend – die Vororte brennen und man aufwächst wie Corynne Elliot, gibt es auch kaum sehr viel Unbeschwertheit zu vertonen. Nicht nur vor diesem Hintergrund ist „Freedom of Speech“ der bestmögliche Zweitling, der Speech Debelle gelingen konnte.

Seit  10. Februar 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Studio Backpack Rap
> Sun Dog
> Collapse

Diskographie:

> Speech Therapy (2009)
> Freedom of Speech (2012)

Ähnliche Künstler:

> Lauryn Hill
> Big Zis

Übrigens spielt Speech Debelle am 3. März in der Reitschule in Bern