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Soap & Skin – Lovetune For Vacuum
Soap & Skin – Lovetune For Vacuum

Soap & Skin – Lovetune For Vacuum

8.0

Genre:
Label: Couchrecords

Erstellt am: 24.03.2009
Autor:
Erstellt am: 24.03.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Frisch gewaschen

Beängstigend. Die junge Anja Plaschg blieb auf dem Rummelplatz über Nacht sitzen, setzte sich an ein altes Klavier und erzählt wie sie die Nacht herum gebracht hat.

Während der Dunkelheit ist alles eine Spur langsamer. Noch immer drehen Karussel und Orgel. Statt den Besuchern scheinen sich nun die einzelnen Attraktionen zu verzaubern. Die ersten Versuche sind noch sehr zögerlich. In „Sleep“ tastet sich die junge Sängerin mit einem vorsichtigen Klimpern, das bloss ihre verhuschten ersten Worte übertönt, an die unheimliche Situation heran und versucht damit umzugehen. Plötzlich schreit es „I Search for the moon“. Ein Hilferuf, aber auch aber auch ein reifes „Ich bin hier und hab mich damit abgefunden“. Leise Elektronik tritt hinzu.

Schon bei „Cry Wolf“ meint man in der Zirkusmelodie ein heimeliges Gefühl zu finden. Der Mondschein trügt, mit der hellen Stimme kann jederzeit etwas geschehen. Sie scheint zu zerbrechen, auszubrechen oder gar ganz zu verstummen.
Das wuchtige „Thanatos“, dem griechischen Todesgott gewidmet, spricht mit dunkler Stimme vom Fluch des Sterbens und dass man der Nacht nicht entrinnen kann. Eindrücklich ist die mutige Stimme von Anja Plaschg, die mich stark an Anna Aaron erinnert. Sie scheint alles aufzuheben zu wollen, so dass sie schliesslich dem Schicksal erliegt und mit der ganzen Last untergeht

Wunderschön entrückt wirkt der Übergang zum bitterfeinen „Exstinguish Me“, das mit Klavier und Akkordeon viel Raum einnimmt. Bedrückend sind die Worte einer 18jährigen, die so deutlich den  Tod herbeisehnt. Berührend sind die Variationen einer jungen Frau, die mit soviel Phantasie diese traurige Geschichte hinauszögert.

Die Gedanken kreisen bei „Spiracle“. Düster und brutal ging es in der Kindheit zu und her. Ein flehendes „Please Help Me“ scheint mit dem übergrossen aggressiven „When I Was A Child“ nicht zurechtzukommen, zu stark scheinen Wut und Leiden verankert zu sein. Danach geht es wirklich nur noch abwärts: Destruktive Hörner, schwebende Rhythmen, vertrackte Elektronik zerstören jeden Halt, der Hörer folgt betroffen dem Geschehen.

Würde man zum Schluss mit „Brother of Sleep“ einsteigen, dann wäre man aufgeschreckt von den hellen Klaviertönen, voll der Hoffnung. So aber endet dieses grausige Debütalbum mit einer pervers morbiden Anspielung auf das Verrecken aller Sinne und Wahrnehmungen. Noch schlimmer: Wie bei jeder Attraktion fängt alles wieder und wieder von vorne an. Für einmal wurde die Nacht nicht zum Tag. Wie das wohl raus kommt?

Ab 25. März 2009 im Handel.

Anspieltipps:
> Thanatos
> Exstinguish Me
> Spiracle

Diskographie:
> Lovetune For Vacuum (2009)

Ähnliche Künstler:
> Anna Aaron
> Shannon Wright
> Patrick Wolf
> Nico
> Silje Nes
> PJ Harvey
> Bohren & the Club of Gore