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Slut – Alienation
Slut – Alienation

Slut – Alienation

6.0

Genre: ,
Label: Cargo Records

Erstellt am: 03.10.2013
Autor:
Erstellt am: 03.10.2013   Autor:

Rezensionen

Seltsam gut

Was soll man machen, wenn eine der besten deutschen Bands für Jahre von der Bildfläche verschwindet und dann plötzlich einen bunten Hund von der Leine lässt? Wir müssen reden.

Slut aus Ingolstadt waren nie gewöhnlich. Sie haben vieles versucht und das meiste davon ist ihnen gelungen: Pop („Lookbook“), Verkopftheit („Nothing Will Go Wrong“), Minimalismus („All We Need Is Silence“) und Inszenierung („StillNo1“). Es ist natürlich einfach zu sagen, „Alienation“ sei die bunte Mischung aus allem. Slut legen einem nahe, Vergleiche mit Radiohead zu ziehen – alleine schon wegen der Elektronik und Gitarrenschönheiten wie „All Show“, das auch auf „In Rainbows“ einen Platz finden würde. Es ist jedoch anzunehmen, dass andere Reviews im Zusammenhang mit „Alienation“ eher von „Kid A“ sprechen. Die einzige Konstante bleibt dabei die feinfühlige Stimme von Christian Neuburger, die auf wundersame Weise in alle Kontexte passt. Ist das Fluch und Segen zugleich? Wollten Slut zu viel? „Alienation“ ist in gewissen Einzelteilen grandios („The Next Big Thing“), manchmal übertrieben („Silk Road Blues“) und irgendwie stilistisch unentschlossen. Dabei kann man nicht einmal sagen, was genau ratlos macht, wenn man nach einer Wertung sucht, die dem ganzen einen Nenner geben soll. Vielleicht überraschen Slut mit diesem Album heute nicht mehr. Vielleicht kommen sie etwas spät. The Notwist, Radiohead und Sufjan Stevens haben einiges, was auf „Alienation“ passiert, bereits vorweggenommen.

So bleiben sie gleich in diversen Jahrzehnten und an sich selber hängen. Der auf 80er getrimmte New-Wave in „Never Say Nothing“ geht dann wieder mit der Zeit, was in diesem Zusammenhang sogar ein bisschen gewöhnlich wirkt. „Holy End“ macht als Klavier-Leisetreter seltsam Schluss mit einem seltsamen Album. An diesem Punkt entgleitet einem „Alienation“ als zu bewertendes Album endgültig, weil die Unentschlossenheit des Albums einen selbst nicht mehr zu einer Entscheidung kommen lässt und man zwangsläufig wieder von vorne beginnt. Wieder und wieder. Bis man zur Erkenntnis gelangt, dass Slut hier etwas geschaffen haben, das beschäftigt und sich das Recht nimmt, alleine deshalb interessant zu sein – zumindest bis es entweder Klick macht oder man entnervt die Skiptaste nach Lust und Laune betätigt. In die Ecke stellen wird man dieses Album nämlich dank Songs wie „All Show“ und dem Titeltrack trotz allem nicht so bald.

Seit 16. August 2013 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> All Show
> Alienation
> The Next Big Thing

Diskographie:
> For Exercise and Amusement (1996)
> Interference (1998)
> Lookbook (2001)
> Nothing Will Go Wrong (2002)
> All We Need Is Silence (2004)
> Songs aus Die Dreigroschenoper (2006)
> StillNo1 (2008)
> Corpus Delicti – Eine Schallnovelle (2009)
> Alienation (2013)

Ähnliche Künstler: 
> Radiohead
> Naked Lunch
> The Notwist