Exit Music
Sleepyhouse – Sleepyhouse
Sleepyhouse – Sleepyhouse

Sleepyhouse – Sleepyhouse

7.0

Genre: , ,
Label: Irascible

Erstellt am: 26.04.2013
Autor:
Erstellt am: 26.04.2013   Autor:

Neuerscheinungen

Eintauchen in berauschende Gefühlswelten

Sleepyhouse haben mit ihrem Debütalbum eine eigene kleine Klangwelt erschaffen, an der sie uns nun teilhaben lassen. Die Tristesse zieht sich vom ersten bis zum letzten Ton durch, ohne einen zu sehr in ihre Fänge zu bekommen. Ein Hörerlebnis.

Am Ende der Straße, auf einer kleinen Lichtung, steht dieses verlassene, traurige Haus. Einige Fenster sind vernagelt, bei anderen fehlen die Fenster ganz, die Tür wurde von Stürmen der letzten Zeit aus dem verfaulten Holzrahmen gepustet, das Dach tropft, als würde es sich über seinen eigenen Zustand selbst beweinen. Ohne Furcht tritt man hinein, die Holzdielen knarren bei jedem Schritt,  und schreitet von dem Zauber der Vergangenheit gefesselt voran.

Im Halbdunkeln tastet man sich vorwärts, an verstaubten Tischen und Stühlen vorbei. Jedes Element wird akribisch mit den Augen aufgesogen, nichts scheint einem zu entgehen. Das alte Holzpiano in der Ecke, die kleine Bar mit den verdreckten Flaschen und Gläsern. Alles wirkt so lebendig, man fühlt sich so lebendig. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf einen verschlissenen roten Samtvorhang, der einen magisch anzuziehen scheint. Jeder Schritt tut sich von selbst. Und als man ihn öffnet, öffnet sich eine ganz neue Welt.

Das Haus erwacht zum Leben, zeigt einem die Gesichter und die dazugehörigen Geschichten. Einen alten Bluesman, der vom Schmerz und Verlust erzählt, und seine Traurigkeit im Whiskey ertränkt, von Seemännern die ihre Bestimmung suchen, von Huren und Heiligen. Erzählt von Liebe, Trauer, Schmerz und Hilflosigkeit.

Genau dieses Gefühl vermittelt schon der Opener „Bonjour Tristesse“. Das klassische Piano und das Akkordeonspiel bringen einen auf den Weg in dieses alte, mit rührenden Geschichten und vielen auch schmerzlichen Erinnerungen gespickte Theaterhaus.

Die Jungs von Sleepyhouse allen voran der Luzerner Sänger, Songwriter und Gitarrist Remo Albisser, aber auch David Bockel, Rees Coray und Matteo Hänni haben mit ihrem Debütalbum ein Klangerlebnis geschaffen, was einen, wenn man sich auf diese Reise einlässt, tief in ungeahnte Gefühlswelten eintauchen lässt und Assoziationen erzeugt, von denen man noch nicht ahnte, dass man dazu überhaupt in der Lage sein würde.

Die 13 Tracks erzählen unterschiedliche Geschichten, wobei sich keine sonderlich hervorhebt, sondern jede einzeln für sich betrachtet hörenswert ist. Der Sound erinnert an traditionelle amerikanische Folkmusik. Das Einsetzen von akustischer und elektrischer Gitarre, dem klassischen Piano, Kontrabass, Tuba und Akkordeon erzeugen eine Klangwelt, die mehr ist als einfach ein Hörerlebnis, die Ohren übernehmen das Sehen.

Was mir besonders bei dieser Platte auffiel, ist dass sie mir beim mehrmaligen Hören, immer neue Facetten aufzeigte, mehr Interpretationsspielraum lieferte. Man kann sie sich immer und immer wieder anhören, ohne der Melancholie selbst zu verfallen oder von ihr verschlungen zu werden.

Seit  22. Februar 2013 im Handel.

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Anspieltipps:
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Diskographie:
> Sleepyhouse (2013)

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