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Sleater-Kinney – No Cities to Love
Sleater-Kinney – No Cities to Love

Sleater-Kinney – No Cities to Love

7.0

Genre: ,
Label: Sub Pop

Erstellt am: 21.02.2015
Autor:
Erstellt am: 21.02.2015   Autor:

Rezensionen

Modern Grrrl

Preisschild gecheckt? Oder Blindkauf?

Eine genderkompetente Rezension könnte eine sein, die nicht speziell darauf hinweist, dass eine reine Frauenband am Werk ist. Dies ist jedoch schwierig, wenn das Genre Riot Grrrl heisst. Sleater-Kinney sind gerade rechtzeitig zurück und erinnern hoffentlich ein paar Menschen daran, dass Gleichstellung auch zum Mythos werden kann. Der richtige Gegenentwurf zu all diesen hübsch zurechtgemachten Mädchen, die uns mit süssem Pop die Stereotypen wie Honig ums Maul schmieren. Sinnbildlich dafür das Cover mit einem welkenden Blumenstrauss. Selbstironie? Aber es hat schon was: Der Kampf, die Revolution, die Auflehnung. Dies steht der gesellschaftlichen Rückbesinnung gegenüber. Und damit der zunehmend konservativen Haltung als Antwort auf die Überforderung durch die Globalisierung. Die Generation Maybe besticht eher durch Abstumpfung, Passivität und individualisierte Unverbindlichkeit. Soviel Kulturpessimismus muss nach zehn Jahren Abstinenz erlaubt sein, auch wenn solche Stigmata für Generationen am Ende gleich stereotyp verwendet werden wie diejenigen für Männer und Frauen.

Genau deshalb und zum Glück sind Sleater-Kinney immer noch relevant. Auch wenn wir das heute kaum noch Riot Grrrl nennen wollen. Vielmehr ist es Indie und Punk – oder halt Post-Punk. Umso erstaunlicher, und das wurde an anderen Stellen längst festgehalten, wie frisch „No Cities to Love“ klingt. Und wer sich heute immer noch am Gesang von Corin Tucker stört, der sollte auch wissen, dass diese Diskussion bereits geführt wurde. Ohne diese Stimme wäre ein grandioser Opener wie „Price Tag“ erst gar nicht möglich. Aber darin steckt eigentlich nur die Abneigung gegen das Hysterische und man wähnt sich gleich wieder 100 Jahre früher. Sleater-Kinney kämpfen, lehnen sich auf und fordern ein. Sie schrecken aber nicht ab, verweigern sich nicht und bürsten ihre Musik nicht einfach nur auf Krawall. Damit gelingen auch kleine Hits wie der Titelrack, das bereits erwähnte „Price Tag“ oder „Bury Our Friends“. Sleater-Kinney singen: „Exhume our idols/ Bury our friends/ We’re wild and weary/ But we won’t give in“. Ein tolles Comeback. Und nur in dieser Hinsicht passt „No Cities to Love“ gut zum Zeitgeist.

Ab 16.01.2015 im Handel erhältlich.