Exit Music
Sleaford Mods – Divide and Exit
Sleaford Mods – Divide and Exit

Sleaford Mods – Divide and Exit

8.0

Genre: , , ,
Label: Harbinger Sound

Erstellt am: 22.07.2014
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Erstellt am: 22.07.2014   Autor:

Rezensionen

Bring Da Ruckus

Herrlicher Blödsinn aus den Eastern Midlands. Aus einer Zeit, in der es in der Premier League noch Stehplätze gab, und vor allem Bier. Gleichzeitig aber so modern, dass es Punk revolutionieren könnte.

„Divide & Exit“ müffelt. Nach leeren Bierdosen, die viel zu lange auf der Heizung gestanden haben, nach überfüllten U-Bahn-Stationen und Eckkneipen mit beschlagenen Fenstern. Es ist ein monotones, simples und brachiales Album. Dabei braucht niemand zu glauben, dass die Platte keine Hooks enthält. Viele davons sind nur so dermaßen einfach, dass man glaubt, Sleaford Mods haben Angst vor echten Melodien.  Außerdem spuckt Jason Williamson die simplen Slogans derart angeekelt ins Mikro, dass es hier nichts zum mitsingen gibt.

Weniger Hip Hop-Beats, dafür mehr Geschwindigkeit und Monotonie, mehr angepisst sein und mehr „Fucks“ und „Shits“. Das ist im Groben der Unterschied zu Sleaford Mods Vorgängeralben. „Under the N.T.C. Plastic“ merkt man noch am ehesten die Einflüsse des Wu-Tang-Clans an. Warum das Duo erst jetzt den Durchbruch in Europa geschafft hat? Keine Ahnung, aber sie finden es bestimmt scheiße. So wie alles andere. Im besonders abgewrackten „You´re brave“ bekommt auch die Musikindustrie ihre Abreibung,  „Chumbawamba weren´t political, they were just crap.“

Geschichten über den morgigen Toilettengang bedienen sicherlich die Freunde der Bristol Stool Scale – „Liveable Shit“ kann man völlig wörtlich nehmen, das ist keine Metapher – „And it fucking stunk“. Ständig werfen die Sleaford Mods Geräusche in den Raum: Rülpsen, Husten und manchmal denkt man, Williamson kotzt gleich in die Ecke. Das Duo hat eine Vorliebe für geruchsintensive Themen, schließlich steht auch öffentlicher Personennahverkehr – die „Station“ – im Mittelpunkt vieler Songs: „The smell of piss is so strong / It smells like decent bacon“. Ein bisschen, als würde der Typ mit der billigen Bierdose in der Straßenbahn anfangen zu rappen. Perfekt passt dazu das hervorragende Video zur ersten Single „Tied Up In Nottz“, das beweist, dass die schlimmen Jungs immer in der letzten Reihe sitzen müssen.

Unverschämterweise hat sich dann eine Melodie erdreistet, im Abschlusstrack „Tweet Tweet Tweet“ dem Gesang die Schau zu stehlen. Und das ist hoffentlich wegweisend, denn dieses Lied ist ein stimmungsvoller Track, der schon fast in die Gothic-Richtung tendiert.

In „The Corgi“ geht es um die kleine Hunderasse, von der auch die Queen ein Exemplar besitzt. Der kleine Nervtöter ist wohl eine perfekte Allegorie für den ätzenden, kläffenden Sound dieser Platte. Ein wenig mehr Abwechslung, vielleicht sogar mehr instrumentale Härte könnte die Band in Zukunft noch weiter nach vorne bringen, aber auf diesem Album nutzt sich die eindimensionale Struktur der Songs nicht ab.  Eines dieser Alben, das auf jeder anständigen Jahres-Bestenliste stehen muss, weil es so ekelhaft genial ist.

 

Seit 23. Mai 2014 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label

Anspieltipps:

> Tied up in Nottz
> The Corgi
> Tweet Tweet Tweet

Diskographie: 
> Wank (2012)
> Austerity Dogs (2013)
> Divide & Exit (2014)