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Sin Fang – Summer Echoes
Sin Fang – Summer Echoes

Sin Fang – Summer Echoes

7.5

Genre: ,
Label: Morr Music

Erstellt am: 26.03.2011
Autor:
Erstellt am: 26.03.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Suppenkaspar

Unter verkürztem Namen und Serviettenbart lässt der Isländer Sidri Mar Sigfusson seiner Wandelbarkeit und seinem unerschöpflichen Schatz an Ideen wieder vollen Lauf.

Das erste Album „Clangour“ (noch als Sin Fang Bous) war ein bezauberndes handgetricktes und trotzdem vielschichtiges Wunderwerk im wahrsten Sinn des Wortes. Auf „Summer Echoes“ scheint man anfangs keinen grossen Unterschied zum Vorgänger zu hören. Der treue Morr-Musiker Sidri hat jedoch – wie schon bei seinem Bandprojekt Seabear – aus dem einstigen Soloversuch heimlich eine Band gemacht, die es in sich hat : Zwölf aufregende Songs zwitschern und feiern wild drauf los und passen sich den Musikern dem  unruhigen Geist von Sigfusson an.

Für „Easier“ gilt, was für den Grossteil der Songs gilt: Der Song bedient sich in drei Minuten vieler Rhythmuswechsel, die sich unmerklich ineinander verweben. Die Stimme ist dabei bloss tragend und nicht tonangebend, schlurfende Gitarren und Laptopspielereien im Einklang. Mit dem gleichen Tempo aber deutlich stärker abgedimter Instrumenten-Kulisse, bei denen nur die experimentellen Soli im Vordergrund stellen dürfen, schlägt das sich überschlagende „Bruises“ nachdenkliche Songwritertöne an. Trotz aller Abwechslung stört der Mix auf „Summer Echoes“ nie, vielleicht gerade weil der Klangteppich im Vordergrund steht und ein hohes Tempo mit tiefen Gefühlen durchgezogen wird. Ein Höhepunkt ist das zeitlose „Fall Down Slow“, eine grosse Portion ausgelassener Träumerei, die zur Tür herein stürmt. Ein Song, den man sich in der grossen Suppe auch merken kann.

Gerade der Titel „Rituals“ sorgt darauf für eine Überraschung und einen Wechsel auf „Summer Echoes“: Ein jäh abgebrochener rockiger Einstieg macht dem süssen Folkpop Platz samt Chören und Banjo. Zwar deutlich weniger vielschichtig als zuvor, aber durch das horizontale Verschmelzen genau so anspruchsvoll und verwirrend. Auffällig erweist sich auch das rhythmisch soulige „Sing from Dream“, das mit Sprechgesang und einsamem Klavier nun wirklich neue Seiten zeigt und der traurige Beginn und der pulsierende Übergang von „Choir“.

„Summer Echoes“ ist dank seiner Vielschichtigkeit und Tiefe immer aufregend und überraschend, aber wegen der schwer fassbaren Stimme und Stimmung auch bisweilen ermüdend.

Seit 4. März 2011 im Handel.

Anspieltipps:
> Fall Down Slow
> Nothings
> Slowlights

Diskographie:
> Clangour (2009)
> Summer Echoes (2011)

Ähnliche Künstler:
> mum
> Adem
> Panda Bear
> Seabear
> Animal Collective
> Caribou
> Four Tet
> Borko